Ad hoc anders arbeiten

Deutschland im Stresstest: In den letzten Monaten wurde vielen bewusst, wie wichtig flexibles Handeln ist – auch im Bereich Arbeit und Homeoffice. Prof. Dr. Regina Frey-Cordes, IUBH Professorin für Personal und Organisation, erklärt im Gastbeitrag, warum wir uns spätestens jetzt mehr mit New Work auseinandersetzen müssen.

Um das Corona-Virus einzudämmen, haben viele Unternehmen ihre Angestellten eindringlich darum gebeten, von zuhause zu arbeiten. Das ist nicht in jeder Branche möglich – doch dort, wo Homeoffice bereits Standard ist, muss die Ausweitung auf mehrere Mitarbeiter auch in schwierigen Situationen ad hoc möglich sein. Die bisherige Präsenzkultur in den Betrieben ist längst überholt und zeigt heute mehr denn je, dass wir umdenken müssen.

Dabei haben neue und agile Arbeitsformen schon längst Einzug gehalten, z.B. durch innovative und zeitgemäße Modelle, die in verschiedenen Unternehmen etabliert und erprobt werden. Doch anscheinend nicht genug. New Work, als gängige Wissenschaft für alternative Arbeitsmodelle, nimmt sich dieser Herausforderung an und orientiert sich dabei an aktuellen Erkenntnissen aus Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft. Remote Work, die Telearbeit bzw. das Homeoffice, stellt dabei eine besonders effektive und flexible Form dar. Hier gilt es, alte Verhaltensmuster abzulegen und Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, selbstständig, frei und mithilfe moderner Tools zu arbeiten – also auch jederzeit von zuhause.

New Work – Eine alte Wissenschaft mit völlig neuen Möglichkeiten

Als erste deutsche Hochschule bietet die IUBH den Studiengang New Work an. Im Großen und Ganzen geht es im Bereich New Work, deren Aufgaben und Ziele bereits Ender der 1970-er Jahre erforscht wurden, um drei wesentliche Aspekte: Erstens befindet sich unsere Arbeitswelt in einem fundamentalen Wandel. Innovationszyklen verkürzen sich, Globalisierung und Digitalisierung schreiten immer schneller voran, was zu erhöhter Komplexität und Unsicherheit führt. Zweitens erfahren wir einen Wertewandel in der Gesellschaft: Mitarbeiter wollen nicht mehr nur ein Rädchen in einer großen Maschinerie sein, sondern haben Interesse an der Bedeutung ihrer Arbeit und erwarten, dass Arbeit Freude und Erfüllung bringt.

Das Stichwort lautet "Empowerment". Das bedeutet, dass Mitarbeiter mehr Verantwortung für ihre Tätigkeit übernehmen und umgekehrt aber auch mehr Einfluss darauf haben wollen. Dazu passen klassisch-hierarchische Bürokratien nicht mehr – das ist der dritte Aspekt. Daraus ergibt sich ein notwendiger Wandel in Unternehmen hin zu agilen, fluiden Organisationen, die in Teams und Zirkeln anstatt in Stellenbeschreibungen und Weisungsbefugnissen denken.

Die Herausforderung heute als Chance für morgen

Die Krise hat uns gezeigt, dass wir in Sachen agile Arbeitsformen noch viel Aufholbedarf haben. Mitarbeiter, die für längere Zeit nicht oder gar zum ersten Mal im Homeoffice gearbeitet haben, hatten Probleme, ihren Workspace optimal einzurichten und auf alles zuzugreifen, was sie zum Arbeiten brauchen. Hardware, ein stabiles Netz und Cloudlösungen sind nicht immer oder nur bedingt gegeben. Dabei scheitert es weniger an der fehlenden Technologie. Neben organisatorischen Herausforderungen müssen Unternehmen lernen, flexibles Arbeiten zu forcieren, es regelmäßig auszureizen und weiter zu optimieren. Das Gute: Viele sind durch die Umstände gezwungen, zu handeln und kreative Lösungen zu etablieren. So kann die Lage, der viele Arbeitgeber aktuell ausgesetzt sind, eine Chance sein, in Zukunft umzudenken und modernere Workflows zu kreieren.

Zum ganzen Interview mit New Work-Studiengangsleiterin Prof. Dr. Regina Frey-Cordes