„Lerne die Regel, damit Du sie richtig brechen kannst“

In unserem Interview mit der Studiengangleiterin Anne-Kristin Langner erfährst Du, wodurch sich das Bachelorprogramm Social Media an der IUBH auszeichnet und was Du für eine erfolgreiche Karriere in diesem Berufsfeld brauchst.

Wie sind Sie Professorin für Social Media geworden und was fasziniert Sie an diesem Fach?

Prof. Anne-Kristin Langner: Ich erinnere mich noch gut daran, als ich bei der Bewerbung für ein Promotionsstipendium bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft als Berufswunsch Professorin angegeben habe – damals noch mehr aus einer Intuition heraus. Mich hat es schon immer fasziniert, in Themen einzutauchen, mir Wissen anzueignen, dieses mit anderen zu teilen und in einen Diskurs zu bringen. Mit dem Stipendium habe ich meine Promotion im Fach „Kulturwissenschaften und ästhetische Kommunikation“ bei meinem geschätzten Doktorvater, Univ.-Prof. i. R. Dr. Hans-Otto Hügel, begonnen. Das brachte einen ziemlich radikalen Sprach- und Kulturwechsel mit sich, da ich ursprünglich „Internationales Informationsmanagement“ studiert habe. Dieser Wechsel war herausfordernd und ist jetzt sehr wichtig für meine Professur im Bereich Social Media. Denn ich habe dadurch gelernt, dass (digitale) Medien sowohl durch nutzerbezogene als auch ästhetische Kriterien gekennzeichnet sind. Das gilt für Social Media gleichermaßen und ist ein Aspekt, der mich fasziniert. Darüber hinaus bringt Social Media eine Dynamik, eine Form der Kommunikation und eine Netzwerkstruktur mit sich, die ich so aus keinem anderen Gebiet kenne. Nach meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Universität Hildesheim habe ich praktisch im Bereich Online- und Social-Media-Marketing gearbeitet – eine wichtige Voraussetzung.

Wodurch zeichnet sich das Bachelorprogramm Social Media an der IUBH aus?

Prof. Anne-Kristin Langner: Das Bachelorprogramm Social Media an der IUBH zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Interdisziplinarität, die dieses Fachgebiet per se mitbringt, in vollem Umfang berücksichtigen. Dazu gehören beispielsweise Kurse wie Soziologie, BWL oder (Online-)Marketing. Gleichzeitig werden wir durch Kurse wie Social Ads, Social Media Marketing oder Social Media Monitoring den Spezifika des Fachs gerecht. Besonders hervorheben möchte ich den Bereich der Kreation. Kurse wie Storytelling, Bild- und Videobearbeitung oder Gestaltung interaktiver Medien befähigen die Studierenden, guten Content nicht nur strategisch zu planen, sondern auch kreativ und innovativ umzusetzen.

Wie hat sich dieses Berufsfeld in den letzten Jahren entwickelt?

Prof. Anne-Kristin Langner: Social Media war in Unternehmen früher ein „Kann“, heute ist es ein „Muss“. Wenn sich Nutzer über ein Unternehmen oder ein Produkt informieren wollen, prüfen sie neben der Website auch den Auftritt in sozialen Netzwerken und schöpfen Vertrauen aus professionell und aktuell gestalteten Seiten. Auch in Bereichen wie Service oder Customer Relationship Management ist Social Media nicht mehr wegzudenken. Das führt dazu, dass sich Unternehmen im Bereich Social Media stark spezialisieren. Das stellt man insbesondere auch bei Jobbeschreibungen fest, wenn explizit nach einem Community Manager oder einem Social Media Manager mit strategischem Schwerpunkt gesucht wird. Das Klischee, dass der Praktikant „mal eben“ die Facebook-Seite aufbaut, ist nicht mehr tragbar. Social Media ist Teil des Marketing-Mix und oft auch nicht mehr nur Teil des Online-Marketings, sondern eine eigene Disziplin.

Gibt es Aspekte an Social Media, die Sie aktuell besonders spannend finden, und wie bereitet der Bachelor die Studierenden praktisch darauf vor?

Prof. Anne-Kristin Langner: Kein Medium ist ja von vornherein gut oder schlecht: Es ist immer die Frage, was man daraus macht. Soziale Medien können sehr sozial sein, wenn man sich zum Beispiel einmal anschaut, wie Menschen soziale Netzwerke in der aktuellen Corona-Krise zur gegenseitigen Unterstützung nutzen. Gleichzeitig haben wir es mit Phänomenen wie Fake News oder Shitstorms zu tun. Ich finde es besonders spannend, aus diesem Bewusstsein heraus eine Social Media-Strategie und auch -Taktik zu entwickeln, denn als Social Media Manager musst Du oft sehr kurzfristig reagieren. Darauf bereiten wir die Studierenden mit Kursen wie Community Management oder Konfliktmanagement und Meinungsbildung in Social Media vor. Wenn Du Dich als Unternehmen in Social Media präsentierst, muss Dir klar sein, dass Deine Markenbotschaft von der Community weitergeschrieben wird – positiv und/oder negativ. Neben den genannten Kursen dürfen hierbei rechtliche Grundlagen nicht fehlen, die ebenfalls Bestandteil des Studiums sind.

Welche Berufsbilder und Karrierewege stehen den Absolventen nach ihrem Abschluss offen?

Prof. Anne-Kristin Langner: Mit dem Abschluss stehen den Absolventen viele Karrierewege offen, je nach eigenem Schwerpunkt und eigener Spezialisierung. Mögliche Spezialisierungen haben wir im Curriculum und insbesondere im Wahlpflichtbereich berücksichtigt. Im Wahlpflichtbereich „Community und CRM“ können sich die Studierenden mit Kursen wie Social Selling oder Community Management ideal auf eine Karriere als Community Manager vorbereiten. Kurse wie Augmented, Mixed und Virtual Reality und Business Intelligence bereiten eher auf eine Position als Social Media Manager mit strategisch-innovativem Schwerpunkt vor. Und mit Leadership 4.0 und Internationales Medienmanagement fasse ich vielleicht eher eine Führungsposition im Sinne eines Head of Social Media ins Auge.

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Social Media-Experten aus?

Prof. Anne-Kristin Langner: Ich bin mir sicher, dass der Arbeitsmarkt für all unsere Absolventen, die wissen oder im Studium herausfinden, wo sie hinwollen, sehr gut aussieht. Ob Kreation, Kommunikation oder Kollaboration – wir haben bei dem Studiengang darauf geachtet, dass Du je nach Schwerpunkt und Stärke zum Experten auf Deinem Gebiet werden kannst. Das ist wichtig, da Spezialisierungen mehr und mehr gefragt sind: Du brauchst das „gewisse Etwas“. Grundsätzlich wächst der Arbeitsmarkt für Social Media-Experten stetig und branchenunabhängig und bietet tolle Aussichten für unsere Absolventen.

Was müssen sie mitbringen, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein?

Prof. Anne-Kristin Langner: Das Berufsfeld Social Media ist dynamisch und bringt ständige Veränderungen mit sich. Eine wichtige Voraussetzung, die Studierende mitbringen sollten, ist meines Erachtens die Bereitschaft, sich genau darauf einzulassen und auch den Willen, sich stetig weiterzuentwickeln. Das betrifft zum Beispiel das Auseinandersetzen mit neuen Social Media Tools, sobald sie auf den Markt kommen, oder die Frage danach, was sich im täglichen Business ändert, wenn ein Update des Facebook-Algorithmus kommt. Social Media ist überdies ein Bereich, der zweierlei Ansätze erfordert: Zum einen brauchst Du die Bereitschaft, das große Ganze im Blick zu behalten und Dich hier zum Beispiel über den digitalen Wandel oder neue Technologien zu informieren. Zum anderen ist eine Hands-on-Mentalität und Spezialisierung gefragt, wenn es zum Beispiel um das Planen, Umsetzen und Auswerten von Kampagnen geht. Spaß an Kommunikation und ein Blick über den Tellerrand sind grundsätzlich von Vorteil. Denn alle machen heute Social Media – und die Frage ist auch: Wie kannst Du Dich im ganz positiven Sinne abheben? Mein Credo: "Lerne die Regel, damit Du sie richtig brechen kannst"*.

*Zitat des Dalai Lama