Corona und die Digitalisierung

Wie sich die Corona-Krise auf unser Bildungssystem auswirkt, welche digitalen Errungenschaften sie uns hinterlässt und wie Fachkräfte die Krise als Chance nutzen können, das erklärt unser Geschäftsführer Dr. Sven Schütt im Interview mit dem Magazin New Business.

Die Corona-Krise verändert fast alles im Leben, auch die Fortbildung von Fachkräften. Wie wird die Pandemie das Arbeiten und Lernen langfristig verändern?

Dr. Sven Schütt: Eins ist jetzt schon sicher: Corona hat uns zwei bis drei Jahre in die Zukunft katapultiert. Was längst noch nicht Standard war im Arbeitsalltag der Deutschen, funktioniert auf einmal flächendeckend: Home-Office statt Präsenzkultur, Video-Konferenzen statt Dienstreisen, flexibles digitales Lernen statt ortsgebundene Gruppen-Schulungen. Digitale Tools werden zunehmend selbstverständlich in den Arbeitsalltag integriert. Die Corona-Krise wird in absehbarer Zeit vorbei sein. Die digitalen Errungenschaften, die sie uns hinterlassen hat, werden bleiben. Und das müssen sie auch, wenn wir weiterhin im internationalen Wettbewerb um die besten Talente mithalten wollen.

Können Video-Konferenzen mit Präsenzveranstaltungen hinsichtlich der Qualität überhaupt mithalten?

Dr. Sven Schütt: Absolut! Wir praktizieren an der IUBH seit fast zehn Jahren Online-Studium, das auf reiner Online-Lehre aufbaut, und das mit großem Erfolg. Unsere Fernstudierenden schneiden in Prüfungen mindestens genauso gut ab wie Präsenzstudierende. Nicht zu vergessen: Termine im virtuellen Raum sparen kostbare Zeit. Gerade die Nutzung von digitalen Tools funktioniert im virtuellen Raum sogar viel besser. Fakt ist: Wir müssen die Corona-Krise zum Anlass nehmen, unsere digitalen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Digitalisierung ist keine Frage von Systemen, sondern von Menschen, die die Chancen der Digitalisierung kennen und nutzen können.

Wie gut sind Hochschulen und Bildungsanbieter in Deutschland bezogen auf die digitale Fortbildung aufgestellt?

Dr. Sven Schütt: Der Fokus der meisten Hochschulen liegt auf der Präsenzlehre, daher wurden sie von der Corona-Welle mit voller Wucht getroffen. Die Online-Lehre beschränkt sich bei vielen Bildungsanbietern nach wie vor auf Live-Übertragungen, weil Infrastruktur und Dozentenwissen aber auch die Rich-Media-Lernmaterialien fehlen. Als Fernhochschule war es natürlich für uns ungleich einfacher, schnell zu agieren. Auf unserem Online Campus wird wie eh und je eifrig studiert, unsere Präsenzmodelle wurden kurzerhand auf Online umgestellt. Dass Prüfungen online geschrieben werden können, versteht sich für unsere Studierenden ohnehin von selbst.

Stellen Sie an Ihrer Hochschule aufgrund der Corona-Krise eine verstärkte Nachfrage nach Fortbildungsangeboten sowohl von Fachkräften als auch von Unternehmen für ihre Mitarbeiter fest?

Dr. Sven Schütt: Derzeit sind viele Unternehmen noch damit beschäftigt, ihr Geschäft sukzessive zur Normalität zurückzuführen. Wir sind aber mit vielen Unternehmen im Gespräch, wie ein Upskilling insbesondere auf digitale Kompetenzen durch Blended-Angebote möglich ist. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach unseren digitalen Studiengängen, z.B. Artificial Intelligence, UX Design oder New Work, sehr. Viele sind in Kurzarbeit und möchten die freie Zeit sinnvoll für sich nutzen. Im Vorjahresvergleich ist die Anzahl der Studienanfänger im Fernstudium deutlich gestiegen.

Ist Fortbildung in Krisenzeiten besonders wichtig? Warum?

Dr. Sven Schütt: Wer nicht kontinuierlich trainiert und am Ball bleibt, der nimmt sich selbst vom Spielfeld. Das wird in Zeiten wie diesen besonders deutlich. Wir sehen im Upskilling die größte Bildungsherausforderung unserer Generation, die durch die Krise beschleunigt werden wird. In den nächsten zehn Jahren werden die aktuellen Aufgaben von rund 15 Millionen Menschen in Deutschland verschwinden oder sich nachhaltig ändern. Nur durch ein Re- oder Upskilling wird es uns gelingen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Welche Berufsgruppen haben derzeit einen besonders hohen Bedarf nach Fortbildung? Können Sie hier Tendenzen feststellen?

Dr. Sven Schütt: Nicht akademische Tätigkeiten im administrativen und produzierenden Bereich sind sowohl durch die Digitalisierung als auch durch die Krise am stärksten betroffen. Quasi alle neu entstehenden Tätigkeiten, die immer noch stark gesucht werden, sind im akademischen Bereich. Insofern ist ein Studium die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.

Sie bieten zurzeit kostenlose Fortbildungskurse an. Warum?

Dr. Sven Schütt: Weil wir in der aktuellen Situation einen aktiven Beitrag leisten wollen. Unser Angebot richtet sich an alle, die ihre frei verfügbare Zeit aktiv nutzen und sich für neue Jobs und Aufgaben fortbilden wollen. Wer sich in Kurzarbeit befindet oder als Selbständiger keine Aufträge erhält, verdient nicht nur weniger, sondern ist auch emotionalem Stress ausgesetzt. Umso wichtiger ist in dieser Zeit eine sinnvolle Tätigkeit, die für die berufliche Zukunft qualifiziert und ein neues Ziel vorgibt.

Welche Themen decken die kostenlosen Kurse ab?

Dr. Sven Schütt: Das geht von Wirtschaft und Management über Design und Social Media bis hin zu IT, Marketing und Kommunikation. Viele der Kurse fokussieren sich auf digitale Themen wie Applications of Artifical Intelligence, Deep Learning, Design Thinking​, Augmented, Mixed und Virtual Reality, Smart Factory, Smart Mobility,  Big Data Technologies ,Self-Driving Vehicles uvm. In Summe rund 100 Studiengänge aus nahezu allen Bereichen und Branchen.

 

Dieses Interview führte Dr. Sven Schütt, CEO der Career Partner GmbH, mit Margit Mair vom Magazin New Business (veröffentlicht am 25.05.2020).