„Die Anwesenheit eines Hundes fördert die Entspannung“

Im Gespräch erzählt Prof. Dr. Andrea Beetz, Studiengangsleiterin Heilpädagogik im IUBH Fernstudium, über ihr Spezialgebiet Tiergestützte Interventionen und gibt Einblicke in den neuen Studiengang.

Liebe Frau Prof. Dr. Beetz, Sie sind Psychologin mit Schwerpunkt Mensch-Tier-Beziehungen und Tiergestützte Interventionen. Woher kommt Ihr Interesse an Tieren?

Prof. Dr. Andrea Beetz: Wie die meisten Kinder war ich immer schon an Tieren interessiert, und in meiner Familie hatten wir auch immer Haustiere. So bin ich mit Kaninchen, Meerschweinchen, Wellensittich und letztendlich einem Hund, der uns 15 Jahre lang begleitet hat, aufgewachsen. Aber ich wollte tatsächlich nie Tierärztin werden – ich wollte schon immer mit Menschen arbeiten.

Was kann man sich unter Tiergestützten Interventionen vorstellen?

Andrea Beetz: Tiergestützte Interventionen sind Interventionen, bei denen aktiv ein Tier mit einer bestimmten therapeutischen oder pädagogischen Zielsetzung involviert wird. Zu den Interventionen zählen alle Arten von Therapie wie Psychotherapie, Ergotherapie, Physiotherapie und Pädagogische Fachrichtungen wie Schulpädagogik, Sonderpädagogik, Soziale Arbeit, aber eben auch Heilpädagogik.

Beispiele wären das Therapeutische Reiten für Kinder mit Verhaltensproblemen oder auch Schulhunde, die zu pädagogischen Zwecken mit in die Klasse genommen werden. Und weil das oft gefragt wird: Programme wie die sogenannte „Delfintherapie“ werden von den großen Dachverbänden nicht zu Tiergestützten Interventionen gezählt. Denn auch Tierschutz und Ethik spielen eine wichtige Rolle bei einer fachgerechten Umsetzung – und das ist in der Arbeit mit Delfinen problematisch.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Andrea Beetz: Ich habe Psychologie studiert. Im Fach Entwicklungspsychologie hatte ich Prof. Dr. Erhard Olbrich, einen Pionier der Tiergestützten Interventionen im deutschsprachigen Raum, der immer wieder auf Hund und Pferd und deren positive Wirkungen zu sprechen kam. Das hat mich angesteckt. Aber erst durch einen Auslandsaufenthalt an der UC Davis in Kalifornien konnte ich mich mit den Themen Mensch-Tier-Beziehung, Komparative Psychologie und Tiergestützte Interventionen auseinandersetzen. Dieses Themenfeld habe ich dann im Rahmen meiner Dissertation bei Professor Olbrich weiterverfolgt und bin seitdem immer in diesem Themenfeld in der Wissenschaft und auch Praxis aktiv gewesen. Heute bin ich in Europa im Bereich der Tiergestützten Pädagogik eine der wenigen Expertinnen aus der Wissenschaft.

Arbeiten Sie selbst auch direkt mit Tieren?

Andrea Beetz: Nur ab und zu und nicht so, wie man es unter Tiergestützten Interventionen üblicherweise versteht. Ich arbeite in meiner therapeutischen Arbeit vor allem mittels Hypnotherapie, also Hypnose. Das kann man zwar kombinieren – gerade bei der Arbeit mit Kindern fördert die Anwesenheit eines Hundes die Motivation zur Teilnahme und die Entspannung. Doch mein Hund ist vom Temperament her nicht optimal geeignet: Mein Asmo hat wenig Freude am still Hinlegen, und wenn er dann während der Hypnose schläft, schnarcht er auch mal laut.

Sie leiten den Studiengang Heilpädagogik im IUBH Fernstudium. Was macht das Studium an der IUBH spannend?

Andrea Beetz: Der Fernstudiengang Heilpädagogik an der IUBH ist ganz neu entwickelt worden. Das bedeutet, dass die Schwerpunkte auf aktuellen Themen liegen. Es gibt eigene Kurse, die vor allem auf die Inklusion und ihre Herausforderungen eingehen, aber auch die neuesten Erkenntnisse, beispielsweise aus der Neurobiologie oder Pränataldiagnostik, und ethische Fragestellungen werden einbezogen. Und natürlich ganz viel Praxisrelevantes für die Arbeit als Heilpädagogin oder Heilpädagoge in den verschiedenen Settings wie Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Arbeit mit Senioren, im Krankenhaus oder während der Rehabilitation.

Befasst sich der Studiengang Heilpädagogik auch an der ein oder anderen Stelle mit Mensch-Tier-Beziehungen?

Andrea Beetz: Leider ist das bisher noch kaum vorgesehen. Natürlich versuche ich, an passender Stelle – z.B. bei Videovorlesungen oder auch Tutorien – auf das Thema einzugehen, aber eigene Module gibt es dazu bisher nicht. Es gibt einfach viele verpflichtende Inhalte, die abgedeckt werden müssen. Aber ich würde das Thema sehr gerne als Wahlmodul anbieten und Studierende bei Bachelorarbeiten zu diesem Thema betreuen. Es gibt hier viele spannende Themen, die man in diesem Rahmen bearbeiten könnte.

Für wen eignet sich der Studiengang Heilpädagogik?

 Andrea Beetz: Der Studiengang Heilpädagogik eignet sich für alle, die gerne mit Menschen mit besonderen Herausforderungen, also mit Behinderung oder Förderbedarf, arbeiten wollen – sei es in der körperlichen oder geistigen Entwicklung, Lernen oder sozioemotionalen Entwicklung. Die Altersspanne der Klienten reicht von Kleinkindern bis Senioren. Diese Personen bei einer optimalen Entwicklung zu unterstützen, sich interdisziplinär im Team dafür einzusetzen, Inklusion umzusetzen, das sind Aufgaben, die Interessierte als Herausforderungen gerne annehmen sollten.