Freude an der Arbeit mit Menschen

Heilpädagogik-Professorin Dr. Andrea Beetz erklärt uns, was den Studiengang Heilpädagogik so besonders, spannend und zukunftssicher macht und welche Voraussetzungen Studierende mitbringen sollten.

Liebe Frau Prof. Dr. Beetz, warum sind Sie Professorin für Heilpädagogik geworden? Was fasziniert Sie so an der Heilpädagogik? 

Prof. Dr. Andrea Beetz: Ich komme aus einem angrenzenden Gebiet – ich bin promovierte Diplom-Psychologin. Aber da ich einige Themen mit hohem Anwendungsbezug faszinierend fand, wie die Bindungstheorie und Tiergestützte Interventionen, habe ich mich für die Habilitation der Sonderpädagogik entschieden, mit dem Schwerpunkt auf sozio-emotionale Entwicklung. Als Professorin in der Heilpädagogik arbeiten zu können, erweiterte mein Tätigkeits- und Interessenfeld sogar noch mehr – anders als im Hauptfeld der Sonderpädagogik liegt der Schwerpunkt nicht mehr nur auf dem Schulalter. Die moderne Heilpädagogik ist ein so vielseitiges Fachgebiet, das die Entwicklung von der pränatalen (vorgeburtlichen) Phase bis zum Seniorenalter umfasst. In allen Altersstufen gibt es Menschen, die von heilpädagogischer Förderung und Unterstützung profitieren können. Durch die Veränderungen, die die Inklusion und die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention angestoßen haben, kommen viele Herausforderungen auf die Heilpädagogik zu, neue Arbeitsfelder eröffnen sich und die Ausbildung der Heilpädagogen/innen muss sich neu aufstellen. Den Studiengang Heilpädagogik an der IUBH zu entwickeln und zu begleiten finde ich daher sehr spannend.

Was müssen Studierende mitbringen, um als Heilpädagogen erfolgreich zu sein? 

Andrea Beetz: Das Wichtigste ist ein Interesse am Menschen, an seinen unterschiedlichen Lebensgeschichten und -situationen, Behinderungen und Förderbedarfen sowie die Freude an der Arbeit mit Menschen verschiedener Altersgruppen. Nur so können gemeinsam mit den Klienten/innen individuelle und langfristige Lösungen erarbeitet werden. Natürlich ist auch ein akademisches Interesse von Vorteil, denn wissenschaftliche Methoden und fundierte Kenntnisse zur Entwicklung von Menschen sind in der Heilpädagogik essenziell, zumal die Forschung in diesem Bereich ja auch stetig wächst. Daher sollte man – wie in den meisten Berufen – bereit sein, sich immer weiter fortzubilden, und natürlich up to date bleiben. 

Was macht das Berufsfeld so abwechslungsreich und herausfordernd? 

Andrea Beetz: Es gibt Heilpädagogen/innen, die mit werdenden Eltern im Bereich der Frühen Hilfe arbeiten, die in der Frühförderung kleiner Kinder in Kitas tätig sind, die Schüler/innen mit Förderbedarfen und/oder Behinderungen unterstützen oder die Erwachsene mit psychiatrischen Erkrankungen oder nach Unfällen/Erkrankungen fördern. Natürlich wird die Arbeit mit Senioren auch immer wichtiger.   

Als Heilpädagoge/in wird man mit den verschiedensten Behinderungen konfrontiert – körperliche Behinderungen, geistige Behinderungen, Förderbedarfe in den Bereichen Sprache, Motorik sowie sozio-emotionale Entwicklung. Das ist spannend, aber auch immer wieder herausfordernd. 

Sie haben den Studiengang an der IUBH selbst mitentwickelt. Welchen Herausforderungen sind Sie dabei begegnet?  

Andrea Beetz:  Es hat mich sehr gefreut, dass ich den Studiengang aktiv mitgestalten durfte. Eine Herausforderung dabei war es, den vielen aktuellen Themen wie Inklusion, Behinderungen und Förderschwerpunkte, Grundlagen der Entwicklungspsychologie und Neurobiologie sowie den verschiedenen heilpädagogischen Tätigkeitsfeldern genügend Raum zu geben. 

Wie wird im Studium der Theorie-Praxis-Bezug hergestellt?  

Andrea Beetz: Wir bemühen uns, bereits in den Skripten immer wieder Bezug zu Beispielen aus der Praxis herzustellen. Darüber hinaus können sich die Studierenden, die ja oft schon in sozialen Feldern arbeiten, mit praxiserfahrenen Tutoren austauschen. Auch die Prüfungsaufgaben wie Fallstudien oder Seminararbeiten fördern die Auseinandersetzung mit der Praxis. Natürlich wird es dann besonders praxisnah, wenn die Studierenden ihre Praxiszeit absolvieren.  

Heilpädagogik aus der Ferne – kann das funktionieren? Die Pädagogik lebt ja von zwischenmenschlicher Kommunikation? 

Andrea Beetz: Ja, ich denke, das kann funktionieren. Im Fernstudium entscheiden die Studierenden selbst, wie intensiv sie sich einbringen und austauschen möchten. Ich habe an Präsenzuniversitäten gesehen, wie man trotz körperlicher Anwesenheit kaum mit Dozierenden oder Kommilitonen redet. An der IUBH haben wir viele Austauschmöglichkeiten wie Social Media, Zoom, Mailum nur ein paar wenige zu nennen. Oft ergeben sich auch tolle Gruppendiskussionen in den Online-Tutorien. Zwischenmenschliche Kommunikation ist uns sehr wichtig. Gleichzeitig ermöglichen wir unseren Studierenden flexibel und frei zu studieren, neben der Familie, dem Beruf oder anderen Projekten. Gerade auch die beruflichen Erfahrungen, die viele Studierenden aus den verschiedensten Tätigkeitsfeldern mitbringen, machen den Austausch unglaublich vielseitig 

In welchen Bereichen werden Absolventen des Studiengangs Heilpädagogik gebraucht? 

Andrea Beetz: Heilpädagogen/innen werden heute in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern gesucht. Durch die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention ist der Bedarf an dafür ausgebildeten Fachkräften, die Menschen mit Behinderungen begleiten, hoch. Aufgrund des Ausbaus der frühkindlichen Betreuung und dem Anspruch der inklusiven Bildung, werden auch in Kitas vermehrt Heilpädagogen/innen eingesetzt. Zudem wächst die Zahl an Heilpädagogen/innen, die mit Senioren mit Behinderungen arbeiten. 

Reicht der Bachelorabschluss für eine erfolgreiche Karriere aus?  

Andrea Beetz: Der Bachelor ist die Basis für die heilpädagogische Arbeit – mit ihm und vor allem mit dem Abschluss des/r staatlich anerkannten Heilpädagogen/in kann man vielseitig in der Praxis Karriere machen. Für die, die sich für Leitungsfunktionen oder eine akademische Laufbahn interessieren, ist der Master natürlich spannend. Denn hier werden viele Themen vertieft. Natürlich kann man sich mit einem Bachelor auch selbstständig in Interessensschwerpunkten fortbilden, wie beispielsweise in der Autismus-Spektrum-Störung. Ein Master deckt das gesamte Feld der Heilpädagogik ab