Gechillt durchs Studium

Als Studi setzt man sich oft selbst unter Druck: Man möchte das Studium möglichst schnell durchziehen, idealerweise mit guten Noten. Prof. Dr. Heike Schiebeck leitet den Fernstudiengang Wirtschaftspsychologie an der IUBH und weiß, wie Du trotz aller Erwartungen stressfrei durchs Studium kommst.

Liebe Frau Prof. Dr. Schiebeck, Sie haben das Buch „Gechillt und entspannt durchs Studium“ geschrieben. Mit welchen Belastungen können Studierende konfrontiert sein?

Prof. Dr. Heike Schiebeck: Als Studiengangsleitung im Master Wirtschaftspsychologie an der IUBH bekomme ich mit, dass Studierende oftmals mit hohem Druck von außen und innen konfrontiert sind. Der äußere Druck entsteht einerseits durch die vermeintliche Erwartungshaltung der eigenen Familie: Gerade den Eltern oder dem Ehepartner möchte man zeigen, dass es sich gelohnt hat, in den bisherigen Werdegang zu investieren. Nicht nur man selbst, sondern auch die Familie muss auf gemeinsam verbrachte Zeit verzichten und zurückstecken – dies versuchen Studierende, durch die „Gegenleistung“ schnelles Studieren mit möglichst guten Noten auszugleichen. Andererseits können Leistungs- und Veränderungsdruck in den Unternehmen, in denen die Studierenden arbeiten, hinzukommen. In der Folge kann ein innerer Druck vor allem auch durch die Erwartungshaltung an sich selbst entstehen: Man will gute Ergebnisse in Job und Studium erzielen und allen Anforderungen gleichermaßen zu jeder Zeit gerecht werden.

Prof. Dr. Heike Schiebeck hat gemeinsam mit der Ärztin Dr. Barbara Krautz das Buch "Gechillt und entspannt durchs Studium" veröffentlicht
Prof. Dr. Heike Schiebeck hat gemeinsam mit der Ärztin Dr. Barbara Krautz das Buch "Gechillt und entspannt durchs Studium" veröffentlicht

Welche einfachen Techniken helfen, um „gechillt und entspannt“ durchs Studium kommen? Worauf sollte man im Studienalltag achten?

Heike Schiebeck: Prävention und aktive Selbsthilfe sind hier die Schlüsselkompetenzen. Dazu zählt zunächst der Aufbau von Stabilität und Balance in den verschiedenen Lebensbereichen. In diesem Rahmen ist es hilfreich, die eigenen „Energiefresser“ zu identifizieren und sie den Energiequellen gegenüberzustellen. Dafür sollte man regelmäßig jeden Bereich betrachten, der den eigenen Tagesablauf bestimmt – z.B. Arbeit, Familie, Studium, Freizeit – und identifizieren, was hier Energie kostet und was Energie gibt. Inspiriert oder motiviert mich das Gespräch mit dem Kollegen oder empfinde ich es eher als anstrengend und kräftezehrend? Es ist essenziell, „Energiefresser“ bewusst wahrzunehmen, um sie präventiv zu meiden.

Und was meinen Sie mit aktiver Selbsthilfe?

Heike Schiebeck: Aktive Selbsthilfe können Studierende zum Beispiel durch den Aufbau psychischer Widerstandskraft leisten. Dazu gibt es verschiedene mentale Übungen und Entspannungstechniken. Überlege Dir z.B. zu Beginn des Tages, worauf Du Dich heute freust. Lass am Abend den Tag Revue passieren und identifiziere, was Dir heute besonders gut gelungen ist. Halte diese Aspekte schriftlich fest! So generierst Du mit der Zeit viele positive, kraftvolle Aspekte. Probiere aus, ob Achtsamkeitsübungen oder Meditation etwas für Dich sein könnten, oder setze Dich regelmäßig für 10 Minuten auf einen bequemen Stuhl oder ein Sofa und tu einfach nichts. Beobachte nur Deine Gedanken und Dein Umfeld. Auch Sport sollte ein fester Bestandteil des Studienalltags sein, trägt er doch dazu bei, einseitigen Belastungen gegenzusteuern und der stressbedingten Überflutung des Körpers durch Cortisol entgegenzuwirken. Insofern ist die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers und Empfindens sehr wichtig. Das bedeutet auch, hin und wieder „Nein“ zu sagen und nicht jede Aufgabe oder jeden Auftrag anzunehmen. Das oberste Ziel sollte sein, die Balance zwischen Aktivität und Entspannung zu wahren.

Wie merkt man, dass der Druck zu groß wird und man Hilfe aufsuchen sollte? Und an wen kann man sich wenden?

Heike Schiebeck: Dass der innere Druck zu groß wird, kann sich zum Beispiel darin äußern, dass Du keine Lust mehr hast, Dich mit Freunden zu treffen oder Freizeitaktivitäten zu planen. Oft findet dann ein Rückzug ins häusliche Umfeld statt – auch, um nicht mit Familie oder Freunden über das Thema Job und Studium sprechen zu müssen. Aber auch regelmäßige und dauerhafte Schlafstörungen können ein Indiz sein, ebenso wie andauernde negative Gedanken. Wenn Du feststellst, dass die Belastungen zu groß werden, solltest Du Dich nicht scheuen, professionelle Unterstützung suchen. Hierzu kannst Du Dich entweder an Deinen Hausarzt wenden oder auch psychologische Beratungsstellen aufsuchen.

 

Weitere Informationen und Tipps zum Thema findest Du im Buch „Gechillt und entspannt durchs Studium“ von Prof. Dr. Heike Schiebeck und Dr. Barbara Krautz.