„Grundlegend sind Neugier und ein echtes Interesse an Menschen“

Prof. Dr. Bestmann leitet den Studiengang Soziale Arbeit im IUBH Fernstudium. Im Interview verrät er, welche Eigenschaften künftige Sozialpädagogen mitbringen sollten und wie vielseitig die Berufschancen sind.

Lieber Herr Prof. Dr. Bestmann, Sie kamen von der Praxis über die Forschung hin zur Lehre und sind seit April 2019 Studiengangsleiter für den Bachelor Soziale Arbeit im IUBH Fernstudium. Was begeistert Sie so an der Sozialen Arbeit?

Prof. Dr. Stefan Bestmann: Oh, das ist Vielerlei und durchaus Unterschiedliches. Einerseits kann Soziale Arbeit je nach Handlungskontext ein ausgesprochen sinnstiftendes berufliches Handeln bedeuten, sowohl im Mikrokontext des konkreten Einzelfalls als auch auf einer Makroebene der gesellschafts- und sozialpolitischen Zusammenhänge. Es werden viele relevante Fragen des „Guten (Zusammen-)Lebens“ diskutiert und reflektiert, aber eben auch ganz alltagspragmatisch angegangen. Anderseits bedeutet Soziale Arbeit als Beruf, dass es im Grunde immer wieder neue Herausforderungen gibt und jeder Tag anders verläuft als geplant. Sie ist also nichts für Menschen, die sich am liebsten in Routinen und gesicherten Arbeitsprozessverfahren bewegen.

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um als Sozialpädagoge erfolgreich zu sein?

Stefan Bestmann: Grundlegend sind Neugier sowie ein echtes Interesse an Menschen und ihren Themen. Eine Offenheit, sich ernsthaft überraschen zu lassen, und ein Einlassen auf eventuell ganz unbekannte Kontexte und Lebensentwürfe, ohne diese bewertend verändern zu wollen – also ein vorurteilsfreies Eintauchen in die Lebenssituationen von anderen Menschen – sind ausgesprochen wichtig. Flexibilität, Unerschrockenheit, Spontaneität sowie eine situative Improvisationskompetenz sind ebenfalls hilfreich. Da wir Fachkräfte zumeist direkt als Person mit unserer eigenen Persönlichkeit einbezogen werden und häufig Entscheidungen treffen müssen, ist eine enorme Selbstreflexionskompetenz sowie ein Erkennen von Wechselwirkungszusammenhängen unglaublich wichtig. Also: Lebensfreude, Kommunikationsbereitschaft und ein stets selbstkritischer Blick, dass das, was man selbst als Erstes und Eindeutiges erkennt, nicht immer auch das Richtige für das Gegenüber ist. Wir Profis nennen das die „Fertigkeit des Nichtwissens“, um eben gerade in der Komplexität und Ambivalenz des Alltags sowie in Ungewissheit handlungsfähig zu bleiben.

In welchen Bereichen werden Absolventen des Studiengangs Soziale Arbeit gebraucht? 

Stefan Bestmann: Ein Blick in die aktuellen Stellenausschreibungen lässt vermuten: quasi in allen Handlungsfeldern Sozialer Arbeit – und das sind nicht wenige – in den unterschiedlichsten Themenbereichen wie Armut, Flucht/Migration, Wohnen, Arbeit, Jugendberufshilfe, Erlebnispädagogik/Kinder- und Jugendreisen, Inklusion/Behinderung, Kultur, Bildung, Gesundheit/Krankheit, Sucht, Gerechtigkeit, Strafgefangenenarbeit, Seniorenarbeit und vieles weitere. Und das alles bei gemeinnützigen Trägern der Sozialen Arbeit, im öffentlichen Dienst (Verwaltung) oder bei privaten Unternehmen der Sozialen Arbeit, in Einrichtungen wie Krankenhäusern, Schulen und Gefängnissen oder auch ambulant, d.h. zuhause bei den Menschen. Teilweise auch im öffentlichen Raum, z.B. als Streetworker/in, Gemeinwesenarbeiter/in etc. Vorsichtig geschätzt arbeiten insgesamt rund 2,5 Millionen Menschen im Sozialbereich, was bedeutet, dass bis zu 8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Arbeitssektor tätig sind. Und aktuell findet auf allen Funktionsebenen ein Generationswechsel statt – Arbeitsplätze gibt es also reichlich und unterschiedliche dazu. Das generalistisch gefasste, breit aufgestellte und zugleich durch die Wahlpflichtfächer profilierende Studium der Sozialen Arbeit an der IUBH bietet für diese berufliche Vielfalt eine rundum fundierte Grundlage.

Was ist das Besondere am Fernstudiengang Soziale Arbeit an der IUBH?

Stefan Bestmann: Neben den notwendigen transdisziplinären Grundlagen der Psychologie, der Sozialmedizin, der Soziologie, der Sozialpolitik, des Sozialrechts, der Sozialwirtschaft und der allgemeinen Pädagogik sowie den grundlegenden Einführungen ins wissenschaftliche Arbeiten und Forschen werden in den Pflichtkursen an der IUBH die spezifischen Theorien, Konzepte und Methoden sowie Instrumente der Sozialen Arbeit sowohl fachwissenschaftlich fundiert als auch praxisbezogen vertieft. In Wahlpflichtfächern werden spezifische Kenntnisse, z.B. in den Bereichen Kindheitspädagogik, Kinder- und Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit oder Soziale Dienste für Erwachsene, fokussiert. Zudem können Studierende der Sozialen Arbeit den Titel „Staatlich anerkannte/r Sozialarbeiter/in“ bzw. „Staatlich anerkannte/r Sozialpädagoge/in“ erlangen. Dafür müssen sie zusätzlich zum Bachelorabschluss ein 100-tägiges Praktikum absolvieren.

Das Besondere am IUBH Fernstudium liegt in der maximalen Flexibilität: Du studierst, wann Du willst, egal von welchem Ort aus und in der für Dich passenden Geschwindigkeit. Und dabei gibt es stets eine enge und persönliche Betreuung durch die Dozierenden und Tutoren/innen der verschiedenen Kurse. Außerdem sind die Studierenden bundesweit sehr gut miteinander vernetzt und unterstützen sich auf vielfältigen Ebenen gegenseitig – quasi in einem riesigen virtuellen Campus, aus der Ferne und zugleich sehr nah und unmittelbar.

Sie haben selbst jahrelang in der Sozialen Arbeit gearbeitet. Was macht das Berufsfeld Ihrer Meinung nach so spannend und herausfordernd?

Stefan Bestmann: Die International Federation of Social Work definiert Soziale Arbeit als „eine praxisorientierte Profession und eine wissenschaftliche Disziplin, deren Ziel die Förderung des sozialen Wandels, der sozialen Entwicklung und des sozialen Zusammenhalts sowie die Stärkung und Befreiung der Menschen ist. Die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit, die Menschenrechte, gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlagen der Sozialen Arbeit. Gestützt auf Theorien zur Sozialen Arbeit, auf Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und indigenem Wissen, werden bei der Sozialen Arbeit Menschen und Strukturen eingebunden, um existenzielle Herausforderungen zu bewältigen und das Wohlergehen zu verbessern.“ (IFSW 2014:1) Also wenn das nicht ausreichend spannend ist! Aktuelle Themen wie die Digitalisierung und der Demografische Wandel stellen die Branche immer wieder vor anspruchsvolle Herausforderungen.

Reicht der Bachelor für einen erfolgreichen Berufseinstieg aus?

Stefan Bestmann: Absolut! Ich empfehle einen Bachelor und danach einige Zeit an Praxiserfahrung, eventuell begleitet durch einige fachspezifische Weiterbildungen. Und dann nach ein paar Jahren ein Masterstudium, das bei der weiteren beruflichen und eventuell auch wissenschaftlichen Laufbahn durchweg hilfreich bzw. notwendig sein kann.