Inklusion statt Integration!

Luisa studiert bei uns soziale Arbeit und hat für ihre Bachelorarbeit zum Thema Inklusion gerade den Diversity-Preis gewonnen. Im Gespräch erzählt sie uns mehr über ihr Fernstudium und warum sie für die soziale Teilhabe aller einsteht. ( Bildnachweis: Gettyimages/Pogonici)

Liebe Luisa, Du studierst bei uns Soziale Arbeit. Erzählst Du uns ein bisschen mehr über Deinen Lebenslauf, und über Dich?

Gerne. Schon in meiner Jugend habe ich ein Mädchen mit geistiger Behinderung betreut, was mir sehr viel Freude bereitet hat. Natürlich ist das eine Herausforderung, aber ich mag es, kreative Lösungen für Probleme zu entwickeln. Nach meinem Abitur 2016 habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert.

Warum hast Du Dich für den B.A. Soziale Arbeit entschieden? Was liebst Du an Deinem Fach?

Die Erfahrungen, die ich in meinem freiwilligen sozialen Jahr gemacht habe, haben in mir den Wunsch geweckt, Soziale Arbeit zu studieren. Ich schätze es sehr, dass ich nach dem Abschluss des Studiums in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten kann und umfangreiche Kompetenzen aus den angrenzenden Disziplinen besitze. Die Soziale Arbeit behandelt den gesamten Lebenskontext des Menschen. Das finde ich besonders spannend.

Du bist frischgebackene Preisträgerin unseres Diversity Preises für Deine Abschlussarbeit. Herzlichen Glückwunsch! Wie kam es dazu, und um was geht es in Deiner Arbeit genau?

Vielen Dank für die Glückwünsche! Meine Bachelorarbeit behandelt das Thema „Inklusion von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung in niedersächsischen Kindertagesstätten“. Mit dem Thema habe ich mich bereits während einer Seminararbeit im Kurs „Frühkindliche Bildung“ auseinandergesetzt. Ich wollte erforschen, wie die Inklusion von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung in Kindertagesstätten gelingen kann. Während meiner Recherche stieß ich auf Leitfäden für die Inklusion von Kindern mit Autismus in Schulen oder für die Inklusion im Allgemeinen in Kindertagesstätten. Ein spezifischer Leitfaden für die eben angesprochene Zielgruppe, fehlte jedoch. In Absprache mit meiner Betreuerin entstand dann die Idee, im Zuge meiner Bachelorarbeit einen solchen Leitfaden für das Bundesland Niedersachsen zu entwickeln und diesen an das niedersächsische Kultusministerium weiterzureichen.

Diversity wird ein immer bedeutenderer Begriff – eigentlich überall in unserer Gesellschaft. Magst Du dazu Stellung nehmen? Wo denkst Du, sind wir hier schon recht weit, und wo gibt es noch Aufholbedarf?

Diversity bedeutet, dass nicht das Normale als Norm gilt, sondern die Unterschiedlichkeit der Individuen in einer Gesellschaft. Inzwischen haben auch auf internationaler Ebene viele Gesetzestexte Einzug gehalten, die die Teilhabe von allen Menschen am gesellschaftlichen Leben gewährleisten sollen. Gefordert wird: Inklusion statt Integration. Betreibt man Integration, werden die Menschen zu homogenen Gruppen zusammengefasst, zum Beispiel anhand der Herkunft, des Geschlechts oder ihrer Behinderung. Menschen dieser Gruppe wird ein besonderes Bedürfnis nach Schutz und Fürsorge zugesprochen. Das heißt, die Menschen werden zwar integriert, bilden jedoch aufgrund ihrer Besonderheiten eine spezifische Gruppe. Inklusion hingegen setzt an den gesellschaftlichen Strukturen an und versucht diese dahingehend zu verändern, dass alle Menschen am sozialen Leben teilhaben können, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder besonderen Bedürfnissen.
Was mir auffällt ist, dass viele Menschen den Unterschied zwischen Integration und Inklusion gar nicht kennen. Daraus folgt unmittelbar, dass noch in Schubladen gedacht und zwischen behindert und nicht behindert differenziert wird. Man fragt sich, ob ein Mensch mit Behinderung gewisse Dinge überhaupt kann. Diesen Ansatz empfinde ich als falsch. Wir als Gesellschaft sind doch dafür verantwortlich, dass jeder Mensch am sozialen Leben partizipieren kann – nicht der Mensch mit Behinderung muss etwas können, um überhaupt Zugang zu erhalten. Für mich persönlich ist wichtig, nicht von „Behinderten“ zu sprechen, denn so steht nicht das Individuum im Mittelpunkt, sondern die vermeintlichen Besonderheiten der Person. Es sollte nur „Mensch mit Behinderung“ lauten. So steht das Individuum im Vordergrund.
Es müsste viel mehr Aufklärung stattfinden. Inklusive Werte werden aufgrund von Migration und Individualisierungstendenzen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Es ist daher unerlässlich, dass jeder Mensch diese verinnerlicht und lebt. Auch lässt sich auf Länderebene in vielen Gesetzestexten erkennen, dass nach wie vor die Rede von Integration ist. Das sollte schleunigst angepasst werden!

Warum hast Du Dich für das Studium an der IUBH entschieden? Welche Vorteile bietet Dir das Fernstudium?

Als ich das Studium begonnen habe, war der Studiengang noch recht neu. Das Konzept mit den Onlineklausuren und der flexiblen Zeitplanung hat mich direkt angesprochen, da ich auch neben dem Studium etwas Geld verdienen wollte. In der Schule war ich nicht die beste Zuhörerin. Deshalb musste ich immer sehr viel nachbereiten. Das wollte ich mir diesmal ersparen und mich gleich von Beginn an eigenverantwortlich um meinen Wissenserwerb kümmern. Rückblickend kann ich sagen, dass das Fernstudium die richtige Entscheidung war, da ich neben den Inhalten eine Menge Eigenverantwortlichkeit, Zeitmanagement und Disziplin gelernt habe.

Was waren bisher Deine schönsten, was Deine schwierigsten Momente im Studium?

Der schönste Moment ist ganz klar die Auszeichnung meiner Bachelorarbeit im Bereich Diversity. Es gab natürlich auch schwierige Momente im Studium. Beispielsweise, wenn mir Inhalte nicht direkt zugänglich waren und ich mich motivieren musste, mich trotzdem an den Schreibtisch zu setzen. Dabei habe ich jedoch versucht, es positiv zu sehen und das erfolgreiche Bestehen der Prüfung zu fokussieren.

Wie stellst Du Dir Deine berufliche Zukunft vor?

Da ich die Arbeit mit Kindern besonders liebe, möchte ich gern die Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichentherapeutin machen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, in einer Klinik zu arbeiten oder vielleicht sogar eine eigene Praxis zu eröffnen. Da ich im Studium mein großes Interesse an der Forschung entdeckt habe, würde ich gerne in der Wissenschaft meine Kompetenzen erweitern.

Was würdest Du anderen Fernstudierenden mit auf den Weg geben?

Ich glaube, das Allerwichtigste ist, sich immer vor Augen zu halten, warum man sich für das Studium entschieden hat – sei es, weil wir es für eine bestimmte Position benötigen, weil wir etwas Neues dazulernen möchten oder weil es die Basis für unseren beruflichen Werdegang darstellt. Auch bei schwierigen Inhalten muss man seine Mittel und Wege finden, um sich diese anzueignen. Hat man dies geschafft, ist es sehr wichtig, auch stolz auf sich zu sein und den eigenen Ehrgeiz wertzuschätzen.