Liebe zur Hotellerie und Sehnsucht nach Namibia

Kerstin verließ nach dem Abitur ihre Heimat Namibia, um in Deutschland bessere Karrierechancen in der Hotellerie wahrzunehmen. Mit einem Fernstudium im Fach Hotelmanagement will sie ihrem großen Traum von einer gemeinnützigen Lodge in Namibia ein Stück näher kommen.

Ich bin in Namibia geboren und habe bis zu meinem 19. Lebensjahr dort gelebt. Meine Familie hat eine große Farm im Norden des Landes, auf der ich in meiner Kindheit und Jugend viel Zeit verbracht habe. Es ist eine ganz andere Welt da unten: Ich bin sehr naturverbunden aufgewachsen und habe die meiste Zeit draußen mit den Tieren verbracht. Einerseits hat man in meiner Heimat das Privileg, viel unberührtes Land für sich allein zu haben. Anderseits ist man sehr eingeschränkt: Meine Schwester und ich wurden aus Sicherheitsgründen überall von unseren Eltern mit dem Auto hingefahren. Das Leben auf der Farm ist mit dem Landleben in Deutschland vergleichbar – außer, dass bei uns öfter Schlangen im Garten wüten und wir neben einer Alarmanlage einen Elektrozaun mit Stacheldraht und Gitter vor den Fenstern haben.

„Ich wusste von klein auf, dass ich Hotelière werden möchte“

In Namibia ging ich auf eine deutsche Privatschule, weshalb die meisten meiner Freunde ebenfalls einen deutschen Hintergrund haben. Schon in der Grundschule kam meine Leidenschaft für die Hotellerie bzw. Gastronomie zum Vorschein: In der zweiten Klasse mussten wir einen Kuchen backen, was für mich ein prägendes Erlebnis war. Seit damals habe ich immer, wenn wir Besuch bekamen, in der Küche geholfen und die Betten bezogen. Als ich dann alt genug war, erlaubten mir meine Eltern, nebenbei als Kellnerin zu jobben. Nach meinem Abitur entschied ich mich dafür, nach Deutschland zu ziehen. Dort boten sich bessere Bildungsmöglichkeiten für eine vielversprechende Zukunft in der Hotellerie als in Afrika.

Ich kannte Deutschland bereits von zwei längeren Ferienaufenthalten als Jugendliche, aber hier langfristig zu leben, war natürlich schon eine Umstellung. Trotz der vielen Vorzüge fehlt mir hier noch immer das Gefühl von „Zuhause“. Ich habe zwar viele Freunde und einen tollen Freund mit der liebsten Familie aller Zeiten, aber es ist einfach nicht mein Zuhause. Mir fehlt die Wärme der Namibier, die Sonne, die weiten Landschaften, und am allermeisten: meine Eltern. Natürlich könnte ich einfach nach Namibia zurückkehren und hier alles aufgeben – aber in Deutschland habe ich beruflich einfach mehr Möglichkeiten. Am Ende muss man immer abwägen, was besser ist.

Hoch hinaus mit einem flexiblen Fernstudium

Als ich 2011 nach Deutschland kam, durchlief ich eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München. Es folgten Aufgaben als Food & Beverage-Trainee und Cost Control Supervisor im Falkenstein Grand Kempinski in Königstein. Bei meinem derzeitigen Arbeitgeber Hotel Adlon Kempinski Berlin begann ich als Demichef de Rang und wurde zum Assistant Manager & Tea Master befördert. Mit zunehmender Verantwortung wurde mir klar, dass ich noch studieren möchte. Da ich später international arbeiten und die Gastronomie selbst positiv beeinflussen will, entschied ich mich für das Bachelor-Fernstudium Hotelmanagement an der IUBH. Das Studium passt perfekt zu mir, weil ich mein Zeitpensum ganz individuell gestalten kann. Es bietet mir die Möglichkeit, in Vollzeit zu arbeiten und finanziell unabhängig zu sein.

Im Februar wurde ich mit dem Alfred Brenner-Förderpreis 2019 ausgezeichnet. Für mich ist der Preis nicht einfach eine Urkunde, die mit Geld verbunden ist, sondern Motivation pur: jeden Tag noch besser zu sein als am Tag zuvor. Die Urkunde hängt über meinem Schreibtisch und immer, wenn ich sie anschaue, wird mir klar, wozu ich in der Lage bin und was ich noch alles erreichen möchte. Sie spornt mich an, mich nach langen Arbeitstagen trotzdem noch hinzusetzen und Wirtschaftsmathe zu pauken und nicht aufzugeben, auch wenn es manchmal hart ist.

Mein Traum: eine Lodge in Namibia

In naher Zukunft möchte ich mein Studium abschließen und dann im Ausland Erfahrung sammeln, vorzugsweise in New York oder London. Eher in der Ferne liegt mein großer Traum, in meine Heimat Namibia zurückzukehren und eine Lodge zu eröffnen. Dort sollen Menschen ohne finanzielle Mittel nach europäischen Standards ausgebildet werden, um ihnen eine berufliche Zukunft zu ermöglichen. Außerdem möchte ich den Naturschutz finanziell unterstützen: Ein Land wie Namibia verdient das meiste Geld an der schönen Natur und den Tieren – allerdings wird viel gewildert und durch Unwissenheit zerstört, sodass das Land irgendwann seinen Reiz verlieren kann. Mit meinem Vorhaben will ich die Branche nachhaltig fördern – nach dem Motto „Non Profit Luxury“. Natürlich muss man auch die politische Lage im Blick haben, die momentan leider nicht sehr vielversprechend aussieht. Wenn das mit der Lodge nicht klappen sollte, ist Plan B auch schon geschmiedet: mich auf nachhaltiges Personalmanagement in der Hotellerie zu spezialisieren.