Wohin gehen top ausgebildete Pflegemanager, Frau Prof. Morgenstern?

Das Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen, nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels und der fortschreitenden Digitalisierung. Im Interview mit Prof. Dr. Ulrike Morgenstern, Studiengangsleiterin für den Fachbereich Pflegemanagement an der IUBH, haben wir über die Bedeutung der Pflegeberufe gesprochen und fanden heraus, wie vielseitig und anspruchsvoll die Rolle von Pflegemanagern in der Wirtschaft ist.

Frau Professor Morgenstern, erst im Frühjahr forderte der Präsident des Deutschen Pflegerates, Franz Wagner, von der Politik ein deutliches Signal zur Zukunft der Pflege.

Prof. Dr. Ulrike Morgenstern: Zurecht. Denn noch immer steht die Forderung nach einer Implementierung von innovativen Konzepten innerhalb der Gesundheitsversorgung an erster Stelle. Dazu gehört die Digitalisierung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie die Entwicklung von Konzepten zur Lösung des Fachkräftemangels. Aus diesem Grund sind auch Gesundheitsorganisationen verstärkt in der Pflicht, attraktive Arbeitgeber zu stellen. Das Pflegemanagement kann hier einen Beitrag leisten, um die divergierenden Ansprüche an innovatives und ökonomisches Handeln auf der Grundlage evidenzbasierter Erkenntnisse in Einklang zu bringen.

Was genau lernen Studierende im Bachelor-Fernstudium Pflegemanagement?

Ulrike Morgenstern: Heute stehen Pflegemanager unter hohem Druck, weil sie für Leitungsaufgaben neben pflegefachlichem Know-how, auch wissenschaftliches und wirtschaftliches Wissen im Gesundheitswesen mitbringen müssen. Schließlich braucht es für die Aufgaben innerhalb der Personalführung- und Leitung sehr vielfältige und umfassende Kompetenzen. Daher werden Studierende für diese sehr anspruchsvolle Funktion an der Schnittstelle von Pflege und Management gut vorbereitet, indem sie im Studium rechtliches, betriebswirtschaftliches, medizinisches, technisches und gesundheitsökonomisches Wissen aufbauen. Sie setzen sich darüber hinaus mit sozialpolitischen, ethischen und administrativen Fragen der Leitung und Steuerung in der pflegerisch-gesundheitlichen Versorgung auseinander.

Klingt vielversprechend, aber auch anspruchsvoll. Ist der Markt denn bereit, Experten entsprechende Arbeitsplätze in Aussicht zu stellen?

Ulrike Morgenstern: Der Bedarf an gut ausgebildeten Experten, die sich innovativ und flexibel in zunehmend komplexeren Unternehmen bewähren und dabei gesellschaftliche Veränderungen im Blick behalten müssen, ist enorm hoch. Potentielle Arbeitsplätze sind also durchaus vorhanden. Der Bachelorstudiengang Pflegemanagement bereitet daher auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen vor. Wichtige Module wie E-Health, Pflegecontrolling, Fallmanagement, Qualität- und Projektmanagement sind speziell auf Leitungsfunktionen in der Pflege, aber auch auf die Leitung von Projekten im interprofessionellen Kontext ausgerichtet. Vor allem können Module im Wahlpflichtbereich eine Akzentuierung des zukünftigen Aufgabenbereichs setzen, indem speziell die ambulante oder stationäre Kranken- und Altenpflege oder die Heilerziehungspflege bzw. die gesundheitsökonomisch vertiefende Richtung gewählt werden kann.

Das heißt, dass Absolventen hauptsächlich im Leitungsbereich tätig sein können?

Ulrike Morgenstern: Eine Leitungsfunktion ist ein sehr sinnvolles und wichtiges Ziel im Rahmen des Studiums. Fest steht, dass Absolventen nach ihrem Abschluss bestens für eine Karriere im Gesundheitsbereich vorbereitet sind. Vielfältige Einsatzbereiche können ausgewählt werden, wie zum Beispiel in der Leitung von Pflegeheimen oder im Klinik-, Qualitäts- bzw. betrieblichen Gesundheitsmanagement. Zur Auswahl stehen darüber hinaus Positionen in der Pflegedienstleitung, Abteilungsleitung, Stationsleitung einer Klinik oder in der Leitung von ambulanten pflegerischen Einrichtungen. Auch die Leitung einer Abteilung oder eines Wohnbereichs im betreuten Wohnen bzw. in den verschiedenen Einrichtungen der Heilerziehungspflege ist möglich. Außerdem können Absolventen als Assistenz der Geschäftsführung arbeiten und bei der Projektentwicklung- und Leitung von pflegerischen oder interprofessionellen Projekten unterstützen.

Und außerhalb der Leitung?

Ulrike Morgenstern: In Gesundheitsämtern können Pflegemanager auch beratende Funktionen übernehmen. Dabei tragen sie hauptsächlich zur Aufklärung und Gesundheitsförderung von Bürgern bei oder wirken bei der Ausgestaltung neuer Beratungskonzepte mit. Auch die Arbeit im Organisations- und Personalmanagement in verschiedenen Institutionen und Verbänden des Gesundheitswesens ist sehr begehrt. Spannend wird es vor allem immer dann, wenn Pflegemanager die Gründung eines eigenen Unternehmens angehen, wenn sie z.B. eine eigene Tagesklinik aufbauen.

Vielen Dank, Frau Prof. Morgenstern, für Ihre Zeit und Ihren Beitrag zum Thema!