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Seminar Gesellschaftliche Herausforderungen und Gesundheitspolitik (DLMGSGHG01)

Kursnummer:

DLMGSGHG01

Kursname:

Seminar Gesellschaftliche Herausforderungen und Gesundheitspolitik

Gesamtstunden:

150 h

ECTS Punkte:

5 ECTS

Kurstyp: Pflicht

Kursangebot: WS, SS

Course Duration: Minimaldauer 1 Semester

Zugangsvoraussetzungen:

keine

Kurskoordinator(en) / Dozenten / Lektoren:

Siehe aktuelle Liste der Tutoren im Learning Management System

Bezüge zu anderen Modulen:

Siehe Modulbeschreibung

Beschreibung des Kurses:

Die Studierenden lernen gesundheitspolitische Akteure sowie ihre sektorale und institutionelle Verortung kennen und sind in der Lage, Gesundheitspolitik in Abgrenzung zu anderen Politikbereichen und vor dem Hintergrund des Konzepts der freien Selbstverwaltung und der Gesetzeslage zu definieren. Auf dieser Grundlage erwerben die Studierenden an ausgewählten Beispielen Kenntnisse über zentrale – die Gesundheitspolitik und Gesetzgebung bestimmenden – Wandlungsprozesse und Entwicklungen; dies zum einen aus soziokultureller Perspektive, zum anderen aus der des medizinischen und technischen Fortschritts. Sie eignen sich im Weiteren eine Grundkompetenz im Blick auf ethische Fragen und moralische Implikationen bei entsprechenden Managemententscheidungen an. Dies mündet in exemplarischen fallbasierten Betrachtungen, die anregen, ausgewogene Bewertungen von Fremdmeinungen im politischen Diskurs vorzunehmen und eigene gesundheitspolitische Standpunkte fundiert zu vertreten.

Kursziele:

Nach erfolgreichem Absolvieren des Kurses sind die Studierenden in der Lage,

  • Akteure, Wesen und Ziele der Gesundheitspolitik zu definieren.
  • soziokulturelle Wandlungsprozesse, die einen maßgeblichen Einfluss auf politische Überzeugungen, Debatten und Gesetzgebungsverfahren in der Gesundheitspolitik haben zu erkennen.
  • ökonomische Entwicklungen und Fortschritte an der Schnittstelle von Medizin, Life Sciences und Technik, die einen maßgeblichen Einfluss auf politische Überzeugungen, Debatten und Gesetzgebungsverfahren in der Gesundheitspolitik zu erkennen.
  • ethische Fragen und moralische Implikationen für Debatten und Gesetzgebungsverfahren in der Gesundheitspolitik zu thematisieren.
  • gesundheitspolitische Standpunkte unterschiedlichen Akteuren zuzuordnen, zu reflektieren und begründet eigene einzunehmen.

Lehrmethoden:

Die Lehrmaterialien enthalten Leitfäden, Video-Präsentationen, (Online-)Tutorien, und Foren. Sie sind so strukturiert, dass Studierende sie in freier Ortswahl und zeitlich unabhängig bearbeiten können.

Inhalte des Kurses:

Nach einer begrifflichen Klärung und Eingrenzung der deutschen Gesundheitspolitik als Oberthema werden in einem ersten Schritt Wesen und Organe der Freien Selbstverwaltung geklärt, also die Rolle von Kammern und Berufsverbänden erläutert. Darauf aufbauend wird die Gesundheitspolitik als Staatsaufgabe in den Blick genommen und geklärt, inwieweit Bund, Länder und Kommunen „trotz“ Freier Selbstverwaltung in Deutschland genau welche hoheitlichen Aufgaben haben. Darüber hinaus wird geklärt, welchen Einfluss Parteien, Gewerkschaften, Patientenbünde, Kirchen und andere Gruppen und Verbände auf Konzeptionierung und Steuerung der Gesundheitspolitik haben. In einem zweiten Schritt werden die soziokulturellen Entwicklungen in den Blick genommen, die einen wesentlichen Einfluss auf die Ausgestaltung der Gesundheitspolitik in Deutschland haben. Hierbei werden der demografische Wandel und sich ändernde Versorgungstrukturen vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft dargelegt. Zudem wird einzeln auf den Einfluss durch Individualisierung und Gender Mainstreaming, Migrationsbewegungen und sich dadurch ändernde gesellschaftliche Ansprüche und Bedarfe in Bezug auf die Regelung von Gesundheitsdienstleistungen und Angebotsportfolios auf Seiten staatlicher Versorgung eingegangen. Des Weiteren wird auf den Effekt des Rückzuges der Kirchen im Zuge der Säkularisierung eingegangen und der Frage nachgegangen, wer (noch) inwieweit für die Beachtung der christlichen Präambel im Grundgesetz im Rahmen gesundheitspolitischer Debatten eintritt. Nicht zuletzt wird der Internationalisierung Aufmerksamkeit gewidmet, die durch global agierende Gesundheitskonzerne, Gesundheitstourismus, Telehealth u. a. gesundheitspolitische Entscheidungen im wachsenden Maße mitbestimmt.

In einem dritten Schritt werden die ökonomischen Entwicklungen fokussiert. Neben wirtschaftlichen Fragestellungen werden auch technische und wissenschaftliche Entwicklungen mit Wirkungen auf den Medizinmarkt und damit den Regulierungsbedarf durch Gesundheitspolitik diskursiv aufgegriffen. Hierbei steht vor allem die Frage, in welchem Maße der Gesundheitspolitik auf der Grundlage des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft und Gesundheit als meritorischem Gut eine Regelungsaufgabe zukommt und/oder vor dem Hintergrund von Wirtschaftlichkeitsgebot in der Sozialversicherung und Ausgabenbegrenzung auf Seiten des Staatshaushaltes zukommen sollte. Dies führt über zu den ethischen-moralischen Prämissen, die die Gesundheitspolitik in Deutschland formen. Die Frage, ob Medizinisches Handeln auf der Grundlage des Hippokratischen Eides oder neuer, anderer moralischer Handlungsmaximen fußen sollte und inwieweit soziokulturelle Wandlungen auch die Debatten um Konfliktthemen in Medizin und Life Sciences wie die Sterbehilfe, die Neuregelung des § 218, die Organspendesituation und Gentechnik neu justieren. Damit diese Diskussionsgegenstände und -linien nachvollzogen werden können, bedarf es der Klärung der Hintergründe derer, die der Gesundheitspolitik als Akteure ihre Richtung geben. Es geht darum, die Unterschiede der Standpunkte vor dem Hintergrund (berufs-)politischer und sozialer Prägung deutlich zu machen. Die Studierenden sind gefordert, die Positionen richtig zu verorten, sie kritisch zu reflektieren und eigene Meinungen als zukünftige Mitgestaltende der Gesundheitspolitik zu bilden.

Literatur:

  • Knieps, F. (2017): Gesundheitspolitik: Aktuere, Aufgaben, Lösungen. MWV, Berlin. ISBN-13: 9783954663194
  • Reiners, H., Knieps, F. (2015) Gesundheitspolitik: Geschichte, Intentionen, Konfliktlinien. Hogrefe, Göttingen. ISBN-13: 9783456854335
  • Rosenbrock, R./Gerlinger, T. (2014): Gesundheitspolitik. Hogrefe, Göttingen. ISBN-13: 9783456849911
  • Bührlen, B. et. al. (2014): Gesundheit neu denken Fragen und Antworten für ein Gesundheitssystem von morgen. URL: https://www.fraunhofer.de/content/dam/zv/de/Forschungsfelder/Umwelt-Gesundheit/Gesundheit-neu-denken.pdf

Prüfungszugangsvoraussetzung:

  • Kursevaluation

Prüfungsleistung:

  • Schriftliche Ausarbeitung: Seminararbeit
  • Präsentation (bestanden / nicht bestanden)

Zeitaufwand Studierende (in Std.): 150

Selbststudium (in Std.): 120
Selbstüberprüfung (in Std.): -
Tutorien (in Std.): 30