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Studieren mit Beeinträchtigung – Jobs für Menschen mit Behinderung
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Wissenswertes rund ums Studium - IUBH Fernstudium

Wissenswertes rund ums Studium

Praktikum und Berufseinstieg mit Beeinträchtigung

Das Studium ist erfolgreich abgeschlossen – und was nun? Vor dieser Frage stehen viele Studierende gegen Ende ihrer Ausbildung. Nach dem Studium musst Du einen Karrierepfad wählen, Bewerbungen schreiben und erste Berufserfahrungen sammeln. Bereits bei der Suche nach Praktikumsplätzen sehen sich viele Menschen mit einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung mit zusätzlichen Fragen konfrontiert: Wie finde ich einen geeigneten Arbeitgeber? Wie gehe ich in Bewerbungen mit meiner Beeinträchtigung um? Wie werden Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung gefördert? In diesem Artikel listen wir die nötigen Informationen auf, um Deinen Start ins Berufsleben zu erleichtern. Wir geben Hinweise zur Jobsuche und zur Gestaltung des Bewerbungsschreibens.

Hier erfährst Du, dass:

  • Deine Hochschule bei der Berufsorientierung durch berufsvorbereitende Angebote wie Workshops helfen kann.
  • Arbeitgeber finanzielle Unterstützung erhalten können, um die Eingliederung von Mitarbeitern mit Behinderung zu gewährleisten.
  • neben der eigenständigen Recherche in digitalen Praktikumsbörsen auch die Möglichkeit besteht, individuelle Beratung im Karrierezentrum oder beim Behindertenbeauftragten der Hochschule zu erhalten.
Bewerbungsgespräch – Bewerberin im Rollstuhl

Praktika für Studierende mit Beeinträchtigung

Beim Einstieg in die Berufswelt ist ein Praktikum ein wichtiger Schritt. Auf diesem Wege erfährst Du einerseits, welche Berufsfelder für Dich in Frage kommen. Außerdem sammelst Du zugleich wichtige praktische Erfahrungen und knüpfst erste Kontakte zu Arbeitgebern. Diese Berufserfahrung ist bei späteren Bewerbungen oft ausschlaggebend. Daher ist in vielen Studiengängen ein Praktikum ein fester Bestandteil der Studienordnung. Als Akademiker ist der Karriereweg oftmals keine gerade Linie. Praktika sowie Hospitationen in Unternehmen können dazu beitragen, die spätere Jobsuche zu erleichtern.

Bei Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums kannst Du weiterhin BAföG beziehen. Auch am Versicherungsschutz ändert sich in diesem Falle nicht. Möchtest Du jedoch freiwillig ein Praktikum organisieren oder ein Auslandspraktikum absolvieren, solltest Du Fragen zur finanziellen Unterstützung und der Sozialversicherungspflicht vorab klären.

Berufsorientierung und Jobsuche für Menschen mit Behinderung

Bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitgeber für ein Praktikum gibt es einiges zu beachten. Um Dir einen ersten Überblick zu verschaffen, solltest Du die Beratungsmöglichkeiten Deiner Hochschule wahrnehmen. Workshops zur Berufsvorbereitung oder Firmenkontaktbörsen werden an vielen Universitäten regelmäßig organisiert. Du kannst auch beim Behindertenbeauftragten Unterstützung erhalten. Wenn Deine Hochschule bereits positive Erfahrungen mit bestimmten Unternehmen gemacht hat, kann die erste Kontaktaufnahme dadurch erleichtert werden.

Auch die eigenständige Recherche im Internet lohnt sich. So bietet zum Beispiel die Agentur für Arbeit eine Online-Jobbörse an, bei der Du ausschließlich nach Jobanzeigen suchen kannst, die Menschen mit Schwerbehinderung oder chronischen Krankheiten angeboten werden. Ein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums ist meist auf wenige Monate begrenzt, daher ist es von Vorteil, wenn der Arbeitsplatz nicht erst zu Beginn des Praktikums behindertengerecht umgestaltet werden muss. Damit Du die Praktikumszeit sinnvoll nutzt, solltest Du in der Vorbereitung darauf achten, dass Du:

  • notwendige Hilfsmittel oder Assistenzen rechtzeitig beantragst.
  • klärst, ob bestimmte Bereiche des Unternehmens noch zusätzlich barrierefrei gestaltet werden können.
  • Dich informierst, in welchen Arbeitsbereichen Du eingesetzt werden sollst.

Damit eventuelle Anpassungen vorgenommen werden können, solltest Du die Praktikumsstelle frühzeitig über Deine chronische Krankheit oder Behinderung aufklären. Trotzdem darf sich Deine Bewerbung nicht ausschließlich um Deine Beeinträchtigung drehen. Fachliche Qualifikationen und persönliche Stärken stehen immer im Vordergrund. Im folgenden Abschnitt geben wir Dir einige Tipps für das Bewerbungsschreiben.

Hinweise zur Bewerbung

Laut des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes darf eine Behinderung niemals zu Benachteiligungen führen.[i] Arbeitgeber müssen Diskriminierung unterbinden. Das heißt konkret, dass eine Behinderung nicht das einzige Ausschlusskriterium sein darf, um einen Bewerber abzulehnen. Ab einer Unternehmensgröße von 20 Mitarbeitern sind Arbeitgeber sogar gesetzlich verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer Stellen mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Bei öffentlichen Arbeitgebern sind es sogar sechs Prozent.[ii] Laut § 50 SGB IX stehen Fördermittel zur Verfügung, die bei der Eingliederung von Menschen mit Beeinträchtigung in die Berufswelt helfen sollen. Arbeitgeber haben so die Aussicht auf finanzielle Fördermittel in Form von[iii]:

  • Eingliederungszuschüssen
  • Finanzierung einer Probebeschäftigung
  • Bezahlung von technischen Hilfsmitteln, angepasster Büroausstattung oder Fahrzeugen mit Zusatzausstattung

Jobs für Menschen mit Behinderung – Junge Frau im Rollstuhl hält einen Vortrag

Generell bist Du nicht dazu verpflichtet, Deine Beeinträchtigung bereits im Bewerbungsschreiben offenzulegen. Beim Bewerbungsgespräch sind direkte Fragen nach den Details einer chronischen Erkrankung oder Behinderung nicht zulässig. Eine Ausnahme besteht nur, wenn Deine Beeinträchtigung für die Ausführung der jeweiligen Tätigkeit von Bedeutung ist. Bei Akademikern trifft das kaum zu. Wenn Du eine chronische Krankheit oder Behinderung im Bewerbungsprozess jedoch bewusst verschweigst, kann eine Kündigung in der Probezeit die Folge sein. Spätestens beim Bewerbungsgespräch sollte geklärt werden, welche beeinträchtigungsbedingten Anpassungen an den Arbeitsplatz nötig sind. Wie gibst Du also am besten Auskunft über Deine chronische Krankheit oder Behinderung? Eine pauschale Antwort oder Richtlinie gibt es in diesem Falle leider nicht.

Einige Bewerbungsratgeber empfehlen, eine sogenannte „Dritte Seite“ nach dem Bewerbungsschreiben und Lebenslauf anzufügen, um die Beeinträchtigung zu thematisieren. Diese Herangehensweise hat Vor- und Nachteile: Einerseits kannst Du Dich in anderen Teilen der Bewerbung gänzlich auf Deine Kenntnisse konzentrieren. Andererseits hebst Du Deine Beeinträchtigung so auch gesondert hervor – was in mancher Personalabteilung durchaus fehlinterpretiert werden kann.

Viele Bewerbungsratgeber geben ähnliche Tipps zum Aufbau einer Bewerbung, an denen Du Dich orientieren kannst:

  • Struktur des Lebenslaufes: Lenke die Aufmerksamkeit auf Deinen fachlichen Werdegang.
  • Keine medizinischen Diagnosen: Verzichte auf Angaben, deren Verständnis medizinisches Fachwissen erfordert.

Es gilt also: Betone Deine Kompetenzen, statt Einschränkungen hervorzuheben. In einer Bewerbung zählen fachliche Qualifikation, soziale Intelligenz und persönliche Erfahrung. Zudem kannst Du darstellen, welche Fähigkeiten Du im alltäglichen Umgang mit Deiner Beeinträchtigung womöglich dazugewonnen hast.

Informations- und Beratungszentren

Auch wenn ein mehrjähriges Studium zunächst lang erscheint, vergehen die Semester oft wie im Flug. Daher ist es wichtig, dass Du bereits im Laufe Deines Studiums Angebote zur Berufsvorbereitung wahrnimmst. Zwar ist eine eigenständige Recherche bei der Berufswahl unerlässlich, jedoch gibt es auch zahlreiche Beratungsstellen, die Dich bei der Jobsuche unterstützen können:

  • Karrierezentren der Hochschule
  • Studentische Interessengemeinschaften
  • Veranstaltungen der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung

Viele Hochschulen bieten regelmäßig Seminare und Workshops zum Karrierestart an oder laden Unternehmen zu Berufsmessen ein. Wichtige Ansprechpartner sind die Beauftragten für die Interessen und Belange von Studierenden mit Beeinträchtigung. Auf der Webseite des Deutschen Studentenwerks kannst Du die Kontaktinformationen der Beratungsstellen Deiner Hochschule unkompliziert herausfinden. Auch das Handbuch Studium und Behinderung sammelt wichtige Informationen zum Thema „Vorbereitung des Berufseinstiegs“. Außerdem gibt es Organisationen und Services, deren Berufsberatung sich ausschließlich auf Studierende mit Beeinträchtigung ausrichtet:

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung
Webseite:
Telefon: +49 228 713 1375
Mail: zav-bonn.sbakademiker@arbeitsagentur.de

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V.
Webseite: http://www.dvbs-online.de
Telefon: +49 06421 94 888 0
Mail: info@dvbs-online.de

Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen e.V.
Webseite: http://www.bhsa.de/
Mail: beratung@bhsa.de

Auch die Arbeitsagentur ist nach dem Studium ein geeigneter Ansprechpartner, um gezielt Jobs für Menschen mit Behinderung zu finden. Sie leistet Unterstützung bei der Berufsorientierung sowie der Berufsvorbereitung. Der Bewerbungsratgeber der Arbeitsagentur enthält viele nützliche Hinweise zur Stellensuche und Bewerbung, die Deinen Einstieg in die Berufswelt erleichtern können. Der Ratgeber richtet sich direkt an Akademiker mit Behinderung oder chronischen Krankheiten.

Fazit

Für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten ist wichtig, früh herauszufinden, welche Unternehmen als Arbeitgeber geeignet sind. Zur Berufsorientierung bieten die meisten Hochschulen Workshops an. Individuellere Beratung kannst Du im Career Service oder beim Behindertenbeauftragten erhalten. Dort kannst Du erfahren, welche Unternehmen geeignet für ein Praktikum in Deinem Studienbereich sind und erste Kontakte knüpfen. Informiere Dich vorab über die barrierefreie Gestaltung eines möglichen Arbeitsplatzes. Wenn der Arbeitsplatz angepasst werden muss, ist es hilfreich, wenn der Arbeitgeber über die Anforderungen bereits im Voraus Bescheid weiß. Auch nötige Hilfsmittel solltest Du vor Beginn eines Praktikums beantragen. Neben fachlichen Kenntnissen zählt bei vielen Bewerbungen vor allem die praktische Erfahrung. Praktika im Studium sind daher eine gute Gelegenheit, um erste Berufserfahrungen zu sammeln. Eventuell lernst Du im Rahmen eines Pflichtpraktikums sogar Deinen zukünftigen Arbeitgeber kennen.

Jobs für Menschen mit Behinderung – Junger Mann im Rollstuhl arbeitet am Laptop