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Studieren mit Beeinträchtigung – Studium mit Seh- oder Hörbehinderung
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Wissenswertes rund ums Studium - IUBH Fernstudium

Wissenswertes rund ums Studium

Informationen für Studierende mit Sinneseinschränkungen

In Marburg studieren bundesweit die meisten blinden und sehbehinderten Studenten.[i] Die Universität Marburg gilt in Deutschland als Vorbild in Sachen Inklusion von Studierenden mit Sinneseinschränkungen. Sprechende Aufzüge, mit tastbaren Punkten ausgestattete Hörsaaleingänge und Kaffeeautomaten oder BAföG-Informationen in Blindenschrift – die Hochschule hat optimale Bedingungen für Sehbehinderte geschaffen. Nicht jede Institution ist so gut ausgestattet, daher bieten wir Dir im folgenden Artikel allgemeine Informationen zum Studium mit einer Sinneseinschränkung wie Seh- oder Hörbeeinträchtigung.

Hier erfährst Du, dass

  • Du Dich bei Interesse an einem Studium an den Behindertenbeauftragten der Hochschule wenden kannst, um Informationen zum Studienalltag mit einer Sinneseinschränkung zu erhalten.
  • Du individuelle Nachteilsausgleiche in den Leistungsfeststellungen und Prüfungen beantragen kannst.
  • es zahlreiche Hilfsmittel und Fördermöglichkeiten für ein Studium mit Beeinträchtigung der Sinne gibt und wo Du Unterstützung findest.

Zulassungsbedingungen für Studieninteressierte mit Sinneseinschränkungen

Wenn Du unter einer Beeinträchtigung Deiner Sinne wie einer Sehbehinderung oder Hörbeeinträchtigung leidest, gibt es trotzdem Möglichkeiten, ein Studium aufzunehmen. Bei der Studienwahl solltest Du neben Deinen Interessen auch auf die Barrierefreiheit an der Hochschule achten. Wende Dich bereits vor Studienbeginn an den zuständigen Beauftragten für die Belange behinderter Studierender. So kannst Du Dich im Vorfeld darüber informieren, ob die Hochschule für Studierende mit Sinneseinschränkungen geeignet ist und welche konkrete Unterstützung Du seitens der Hochschule erwarten kannst. Auch das örtliche Studentenwerk kannst Du zur Informationsbeschaffung kontaktieren.

Wenn Du Dich für einen Studiengang und einen Hochschulstandort entschieden hast, ist ein Besuch vor Ort empfehlenswert. So kannst Du selbst testen, wie Du Dich auf dem Campus und im Gebäude zurechtfindest. Nimm am besten eine Vertrauensperson mit, um Deine Erfahrungen zu teilen und Unterstützung zu bekommen. Auskunft über die Barrierefreiheit einer Stadt kann Dir auch die Stadtverwaltung erteilen.

Treppe mit Noppenfliesen für sehbehinderte Studenten

Nachteilsausgleich für Studierende mit Sinneseinschränkungen

In verschiedenen Gesetzen ist verankert, dass Studierende mit einer Behinderung nicht benachteiligt werden dürfen. Sie haben ein Recht auf Teilhabe und müssen die gleichen Chancen im Studium haben wie nicht behinderten Studierende. Manche Hochschulen haben Auswahlkriterien, die bestimmte Qualifikationen und Erfahrungen voraussetzen. Sollten diese aufgrund Deiner Sinnesbeeinträchtigungen nicht möglich sein, setze Dich diesbezüglich mit dem Behindertenbeauftragten der Hochschule in Kontakt. Er kann Dir Informationen über das Bewerbungsverfahren und passende Nachteilsausgleiche geben.

Ein Nachteilsausgleich ist immer individuell auf Deine Behinderung abgestimmt. Als Nachweis benötigst Du zunächst eine ärztliche Feststellung. Außerdem ist eine konkrete Erläuterung nötig, in welcher Weise Du aufgrund Deiner Sinneseinschränkung beeinträchtigt sein wirst und wo sich Benachteiligungen gegenüber Deiner Kommilitonen ergeben. Der Nachteilsausgleich soll, wie der Name sagt, einen Nachteil ausgleichen und nicht als Vorteil ausgelegt werden.

Prüfungsformen beim Studium mit Sinneseinschränkungen

Insbesondere beim Ablegen von Prüfungsleistungen sind Studierende mit Störungen der Sinneswahrnehmungen gegenüber ihren Kommilitonen benachteiligt. Je nach Einschränkung ergeben sich unterschiedliche Prüfungsformen und Nachteilsausgleiche, welche im Folgenden erläutert sind. Der Beauftragte für Behindertenangelegenheiten Deiner Hochschule steht Dir beratend zur Seite. Nachteilsausgleiche sind immer Einzelfallentscheidungen. Sie können je nach Studienort variieren und demnach auch bei vermeintlich gleicher Beeinträchtigung unterschiedlich ausfallen.

Studieren mit Sehbehinderung: Hilfsmittel für Blinde - Braille-Zeile für den Computer

Beim Nachteilsausgleich musst Du Deine Situation erläutern und die Studienerschwernis aufgrund Deiner gesundheitlichen Beeinträchtigung verdeutlichen. Grundsätzlich sind Nachteilsausgleiche immer schriftlich und vor allem rechtzeitig zu stellen. Plane ausreichend Zeit für die Beantragung ein. Beachte dabei, dass Du gegebenenfalls gesonderte Nachweise oder ärztliche Atteste benötigst. Fristen für die Beantragung erfragst Du bei der zuständigen Stelle. Des Weiteren solltest Du auch für die Prüfung des Antrags und sich eventuell ergebende Rückfragen ausreichend Zeit einplanen. Je nach Prüfungsform könnte die Umsetzung und Realisierung der alternativen Prüfung oder Leistungsfeststellung zusätzlich Zeit beanspruchen.

Laut Deutschem Studentenwerk sind folgende Nachteilsausgleiche denkbar:

  • Änderung der Prüfungsform (zum Beispiel mündlich in schriftlich oder umgekehrt)
  • Erlaubnis zur Nutzung von technischen Hilfsmitteln und Assistenz
  • Fristverlängerung bei Hausarbeiten und Abschlussarbeiten
  • Prüfung in separaten Räumen und unter eigener Aufsicht
  • Schreibzeitverlängerung sowie Verlängerung der Prüfungszeit
  • Einfluss auf Termin, Ort, Sitzplatz und Aufsicht
  • Bereitstellung angepasster Prüfungsunterlagen (zum Beispiel barrierefreie digitale Dokumente/Audiodateien oder in Großdruck) [i]

Je nach Situation des Studierenden werden in der Praxis häufig verschiedene Maßnahmen kombiniert, um einen Nachteil gegenüber Kommilitonen auszugleichen. Erster Ansprechpartner für die Beratung und Unterstützung ist der Behindertenbeauftragte, der mit den einzelnen Stellen eng zusammenarbeitet.

Assistenzmöglichkeiten und Hilfsmittel für Blinde und Hörgeschädigte

Es gibt zahlreiche Assistenzmöglichkeiten, die Seh- und Hörbehinderten den Studienalltag erleichtern. Je nach Hochschule gehören gewisse technische Hilfsmittel zur Ausstattung. Außerdem gibt es Studienhelfer, die behinderte Studierende beispielsweise bei der Aufbereitung der Lehrmaterialien unterstützen. Die Koordination dieser studentischen Hilfskräfte oder eine Vermittlung von privaten Studienassistenten unterliegt in den meisten Fällen dem Behindertenbeauftragten der Hochschule.

Tasten im Aufzug mit Punktschrift für sehbehinderte Studenten

Einige Hochschulbibliotheken verfügen über Bildschirmlesegeräte, welche mit Hilfe einer Kamera gedrucktes Material wie Texte aus Büchern oder Zeitschriften stark vergrößert darstellen und somit für Sehbehinderte lesbar machen. Elektronische Lupen arbeiten nach dem gleichen Prinzip, sind aber deutlich kleiner.

Weiterhin gibt es sogenannte Screenreader, welche Inhalte vom Bildschirm vorlesen oder in Brailleschrift ausgeben. Die Blindenschrift, erfunden von dem Franzosen Louis Braille, bildet mithilfe von sechs Punkten in unterschiedlicher Anordnung das gesamte Alphabet ab. Es gibt auch Drucker, die ausstanzen und somit Braille drucken können. Zusätzlich können moderne 3-D-Drucker Abbildungen für Blinde erstellen, um Formen zu erfassen und somit einen Eindruck von Zusammenhängen und Verknüpfungen zu erlangen.

In einigen öffentlichen Einrichtungen und wenigen Hochschule sind Beschilderungen oder Aufzüge mit Brailleschrift versehen. Haptische Oberflächen-Veränderungen erleichtern Blinden und Sehgeschädigten die Orientierung. Sie kommen beispielsweise bei Treppen mit Rillenplatten, Wegen mit Noppenpflaster oder generell als Leitlinien zum Einsatz.

Ein häufiges Problem für Studierende mit Sinnesbeeinträchtigungen ist, dass die Fachliteratur oft nicht in aufbereiteter digitaler Version zur Verfügung steht. Die Universitätsbibliothek Dortmund verfügt über einen Online-Katalog der Medien für Sehgeschädigte (SehKOn). Die Deutsche Blindenbücherei verleiht kostenlos Fach-, Sach- und wissenschaftliche Literatur in Blindenschrift oder als CDs.

Gebührenbefreiung und finanzielle Förderungen für Studierende mit Sinnesbeeinträchtigungen

Studiengebühren im Allgemeinen sind abgeschafft, allerdings werden in einigen Bundesländern Langzeitstudiengebühren verlangt. Wenn sich Deine Beeinträchtigung studienverlängernd auswirkt, kannst Du einen Härtefallantrag stellen. Ein Erlass oder eine Ermäßigung der Gebühr ist einzelfallabhängig möglich. Informationen dazu erteilt Dir der Behindertenbeauftragte Deiner Hochschule. Dieser gibt Dir auch Informationen über eine Beitragsbefreiung vom Semesterticket, solltest Du dies aufgrund Deiner Beeinträchtigung nicht nutzen können. Eine Befreiung vom Semesterbeitrag ist in der Regel nicht vorgesehen.

Sehbehinderter Student liest Buch in Braille

Die Finanzierung eines Studiums kannst Du Dir über die Berufsausbildungsförderung ermöglichen. Als Studierender mit einer Behinderung Deiner Sinne hast Du den gleichen rechtlichen Anspruch auf BAföG wie andere. Durch einen Härtefallantrag kannst Du aufgrund der Beeinträchtigung eine Verlängerung der Förderung sowie einen höheren Elternfreibetrag erwirken. Die Beantragung erfolgt beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung. Dieses steht Dir auch bei Fragen zur Verfügung.  BAföG-Empfänger sind für den jeweiligen Bewilligungszeitraum vom Rundfunkbeitrag befreit.

Des Weiteren ist unter bestimmten Umständen eine Bezugsverlängerung von Kindergeld über das 25. Lebensjahr hinaus möglich. Informationen über den Bezug von Kindergeld bei Behinderung erteilt Dir die zuständige Familienkasse.

Ausbildungsbezogener Mehrbedarf kann in Form von Eingliederungshilfe über das Sozialgesetzbuch 12 (SGB XII) beim zuständigen Sozialhilfeträger beantragt werden. Finanziell gefördert werden beispielsweise:

  • Kommunikationsassistenz (zum Beispiel Gebärdensprachdolmetscher)
  • Studienassistenz (zur Unterstützung des Studienalltags, Bibliotheksrecherche)
  • Vorlese- oder Mitschreibkräfte
  • Elektronische und technische Hilfsmittel[i]

Die finanzielle Unterstützung bei einem Studium mit Behinderung ergibt sich nach dem behinderungsbedingten Mehrbedarf und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Je nach persönlicher Situation und Art der Beeinträchtigung ergeben sich verschiedene Fördermöglichkeiten. Eine individuelle Beratung ist demnach unabdingbar. Informiere Dich rechtzeitig über die verschiedenen Möglichkeiten und plane genügend Zeit für die Beantragung der Förderungen ein. Eine Erstberatung ist über die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) möglich.

Vorteile eines Fernstudiums für Blinde und Gehörlose

Bei einem Fernstudium bist Du ortsunabhängig und nicht auf die Barrierefreiheit von Institutionen angewiesen. Als Alternative zum Präsenzstudium kannst Du Dich so in gewohnter Umgebung in Deiner Heimat weiterbilden. Überregionalen Erfahrungsaustausch kannst Du über soziale Netzwerke betreiben. Die Einteilung Deiner Lerneinheiten ist bei einem Fernstudium flexibel möglich, sodass Du nach Deinem eigenen Tempo studieren kannst.

Fazit

Die Barrierefreiheit einer Hochschule ist nicht nur für Studierende mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit wichtig, auch Studierende mit Beeinträchtigung der Sinne sind über hindernisfreie Wege und Abläufe im Studienalltag angewiesen. Nachteile gegenüber Kommilitonen, die aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung bestehen, können in Form von Nachteilsausgleichen kompensiert werden. Zahlreiche Hilfsmittel oder persönliche Assistenten unterstützen. Mit einer guten Vorbereitung und rechtzeitiger Antragstellung kannst Du auch als Seh- oder Hörgeschädigter ein erfolgreiches Studium absolvieren.

Hilfreiche Anlaufstellen zum Thema „Blind Studieren“ und „Gehörlos Studieren“

DVBS (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V.)
Bundesverband
Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg
Tel (06421) 948 88-0, Fax 948 88-10
info@dvbs-online.de
www.dvbs-online.de

BHSA (Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen e.V.)
Hinter der Hochstätte 2b
65239 Hochheim am Main
Fax:06146 835538
E-Mail: info@bhsa.de
www.bhsa.de
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