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Studieren mit Beeinträchtigung – Studieren mit Bewegungseinschränkungen
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Wissenswertes rund ums Studium - IUBH Fernstudium

Wissenswertes rund ums Studium

Informationen für Studierende mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit

Auch wenn Du in Deiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt bist, kannst Du alles machen, was Du Dir persönlich zutraust – natürlich auch Studieren an einer Hochschule. Im folgenden Artikel informieren wir Dich, wie es mit der Barrierefreiheit an deutschen Hochschulen gestellt ist und welche Unterstützungsmöglichkeiten Dir im Studium zur Verfügung stehen. Außerdem stellen wir Dir Beratungsangebote und Assistenzmöglichkeiten vor.

Hier erfährst Du, dass

  • Du Dich bereits vor Studienbeginn an das Studentenwerk sowie einen Beauftragten für die Belange von Behinderten an der Hochschule wenden kannst.
  • die Hochschulen gewillt sind, körperlich Behinderte zu unterstützen und die Institutionen barrierefrei zu gestalten.
  • es Fördermöglichkeiten für Studierende mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit gibt.
Rollstuhlplatz: Studentin im Rollstuhl im Hörsaal

Informationsquellen für Studieninteressierte mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit

Studieninteressierte stehen oftmals vor der Qual der Wahl des richtigen Studienfaches. Für Interessenten mit einer körperlichen Beeinträchtigung stellt sich zudem die Frage, an welcher Hochschule sie Unterstützung in ihrer jeweiligen Situation bekommen. Kann ich mit dem Rollstuhl problemlos von einem Raum zum anderen oder in die Mensa gelangen? Gibt es ausreichend Platz in den Gängen und den Toiletten? Erschweren Treppen die Mobilität?

Wenn Du eine körperliche Beeinträchtigung und Interesse an einem Studium hast, solltest Du Dich bereits vor Studienbeginn an den zuständigen Behindertenbeauftragten der Hochschule wenden. Er gibt Dir vorab Informationen über die baulichen Gegebenheiten an der Hochschule und schildert seine persönlichen Erfahrungen mit anderen Studierenden. Die Kontaktaufnahme kann telefonisch oder schriftlich erfolgen, Du musst dafür nicht vor Ort sein.

Studierender im Rollstuhl beim Lernen mit einem Kommilitonen beim Lernen

Je nach Bundesland und Hochschule hat der Beauftragte für Studierende mit Behinderung unterschiedliche Aufgaben, beispielsweise:

  • Persönliche Beratung der Studieninteressierten und Studierenden
  • Individuelle Unterstützung, zum Beispiel Hilfe bei der Beantragung des Nachteilsausgleichs
  • Stellungnahme zur Situationsbeurteilung für Prüfungsamt oder Sozialleistungsträger
  • Verwaltung technischer Hilfsmittel, behindertengerechter Arbeitsplätze oder persönlicher Assistenzen

Gibt es keinen Beauftragten für Studierende mit Behinderung, sollte Dir das die Entscheidung gegen die Hochschule vereinfachen. Sofern Dich das nicht abschreckt, kannst Du Dich an das zuständige Studentenwerk wenden. Auch hier wirst Du persönlich beraten und kannst alle Fragen stellen, die Dich bei der Wahl der richtigen Hochschule beschäftigen. Einige Hochschulen besitzen eine Übersicht über die Zugänglichkeit der öffentlichen Gebäude sowie der wichtigsten Studieneinrichtungen.

Um Dir selbst ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort zu machen, solltest Du Dir die ausgewählte Hochschule anschauen. Bei dem Besuch bekommst Du einen Überblick über die Barrierefreiheit der Hochschule und die einzelnen Räumlichkeiten. So kannst Du besser einschätzen, ob die Hochschule und der Campus Deinen persönlichen Anforderungen genügen.

Jede Hochschule bietet ein- oder zweimal im Jahr einen Tag der offenen Tür an. Unter https://www.studis-online.de/StudInfo/termine.php findest Du Termine zu deutschlandweiten Studieninformationsveranstaltungen. Nutze diese Info-Tage, um Dich über die Hochschule und den Studienort zu informieren. An einigen Standorten werden auch spezielle Vorträge für Studieninteressierte mit Behinderung angeboten.

Eine Übersicht über Beratungsstellen für Studieninteressierte und Studierende mit Behinderung findest Du hier in unserem PDF.

An vielen Hochschulen haben sich Interessengemeinschaften von behinderten und nicht behinderten Studierenden zusammengeschlossen. Sollte es keine Interessengemeinschaft für die Belange behinderter Menschen geben, kannst Du Dich auch an die allgemeinen Studierendengruppen wie StuRa (Studierendenrat) oder AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) wenden. Außerdem kannst Du Dich in sozialen Netzwerken mit anderen Studierenden austauschen.

Einschränkungen in der Wahl des Studienfaches

Bei der Auswahl des Studienfaches haben sowohl behinderte als auch nicht behinderte Studieninteressierte die gleichen Schwierigkeiten. Grundsätzlich gibt es für Dich keine Einschränkungen bei der Wahl des Studienfachs.

Bei der Recherche zu Deinem gewünschten Studienfach solltest Du allerdings Deine individuellen Grenzen bezüglich Deiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit vor Augen haben. Nach Einsicht in den Lehrplan des gewählten Studienfaches kannst Du abschätzen, ob sich dieser mit Deiner Behinderung vereinbaren lässt.

Beispielsweise kannst Du auch mit einer körperlichen Beeinträchtigung ein Sportstudium absolvieren. Bei Interesse an einem Sportstudium solltest Du Dich zunächst an die Studienberatung der Hochschule und an den Behindertenbeauftragten wenden. Diese können Dich individuell beraten. Oft müssen behinderte Studieninteressierte die regulären Bewerbungsverfahren einhalten und eine Sporteignungsprüfung absolvieren. Ausgewählte Übungen, die aufgrund Deiner körperlichen Einschränkung nicht möglich sind, können individuell durch eine andere Disziplin ersetzt werden.

Hinsichtlich der Wahl des Studienfaches kannst Du Dich zu einzelnen Berufen in den Berufsinformationszentren der Agentur für Arbeit informieren. Allgemeine Auskünfte erteilen auch die Studentenwerke. Außerdem kannst Du Dich von Hochschulrankings inspirieren lassen. Beim CHE Hochschulranking wurden auch Besonderheiten hinsichtlich der Förderung dauerhaft gesundheitlich Beeinträchtigter berücksichtigt.

Barrierefreiheit von Institutionen

In unterschiedlichen Gesetzen ist geregelt, dass Studieninteressierte und Studierende mit Behinderung die gleichen Chancen auf ein Studium haben wie Kommilitonen ohne Behinderung. Sie dürfen hinsichtlich Zulassung zum Studium, Studienverlauf und Prüfungen nicht benachteiligt werden.

Barrierefreier Zugang in die Hochschule für Rollstuhlfahrer

Barrierefreiheit an Hochschulen

Jede Hochschule setzt die Richtlinien unterschiedlich um. Es gibt einige Hochschulen, die keine baulichen Veränderungen für die Belange behinderter Studierender vornehmen. Andere verfügen hingegen über eine barrierefreie Grundausstattung wie

  • Ausreichend große Aufzüge für den Rollstuhl
  • Elektrische Türen
  • Leitlinien zur Orientierung
  • Beachtung von Greifhöhen hinsichtlich Lichtschalter usw.
  • Gekennzeichnete Schließfächer in entsprechender Höhe
  • Stufenlose Zugänge oder Treppen mit Rampen für Rollstuhlfahrer sowie Kinderwagen
  • Behindertengerechte Sanitäranlagen
  • Behindertenparkplätze
  • Rollstuhlplätze in Hörsälen

Ansprechpartner für die Barrierefreiheit der Hochschule ist meist der Behindertenbeauftragte. Er kann sich bei Bedarf auch um einen behindertengerechten Umbau an der Hochschule kümmern und Baumaßnahmen in die Wege leiten. Nimm bereits vor Studienbeginn Kontakt zum Beauftragten für Behinderte Deiner Wahl-Hochschule auf. Er kann Dir bereits im Vorfeld Informationen über die Zugänglichkeiten an der Hochschule geben.

Barrierefreiheit in Studentenwohnheimen

Zu Semesterbeginn häufen sich in den Studentenwerken die Anfragen nach günstigen Wohnungen in Campusnähe sowie nach Wohnheimplätzen. Gerade Studierende mit einer körperlichen Behinderung haben hohe Anforderungen an eine passende Wohnung. Informiere Dich rechtzeitig beim zuständigen Studentenwerk nach behindertengerechten Wohnungen oder WG-Zimmern.

Oft behandeln Wohnheimverwalter Anfragen von Behinderten bevorzugt. Bei einigen sind Nachweise für die Behinderung und den Bedarf einer behindertengerechten Wohnung einzureichen. Dies solltest Du in Deiner zeitlichen Planung berücksichtigen.

Neben der behindertengerechten Ausstattung Deiner Unterkunft ist die Anbindung zur Hochschule bzw. zum Campus wichtig. Können öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden? Am besten ist es, wenn Du Dir die Wohnung oder das Zimmer vor Ort anschaust und Dir selbst ein Bild machst, ob die Unterkunft Deinen persönlichen Anforderungen entspricht.

Sofern Du keinen Erfolg in einem Studentenwohnheim haben solltest, kannst Du Dich auch an die städtische Wohnungsverwaltung oder den Behindertenbeauftragten der Stadt wenden.

Barrierefreiheit in Mensen

Die meisten Mensen verfügen über einen stufenfreien Zugang in das Gebäude für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen. Bei Treppen werden oft nachträglich Rampen hinzugebaut. Stühle und Tische sind so angeordnet, dass ausreichend Platz für einen Rollstuhlfahrer ist.

Je nach Hochschule werden folgende Services in den Mensen und Cafeterien angeboten:

  • Aufwerter von Karten zur Bezahlung in der Mensa sowie Schaukästen sind niedriger angebracht
  • Ausgabe des Essens und Besteck in niedriger Höhe
  • Kleiderhaken, Mülleimer, Lichtschalter usw. in greifbarer Höhe für Rollstuhlfahrer
  • Servierwagen für den Transport des Essens von der Ausgabe zum Platz
  • Reservierte Plätze für Menschen mit Behinderung in der Nähe der Essensausgabe
  • Unterfahrbare Tische
  • Gekennzeichnete Tische, an denen das Geschirr unaufgefordert abgeräumt wird
  • Individuelle persönliche Hilfe durch Mitarbeiter der Mensen

Genauere Informationen zur Barrierefreiheit in der Hochschulgastronomie erhältst Du beim Beauftragten für Behinderte oder dem Studentenwerk, welches die Mensa verwaltet.

Beratung und Hilfe für Studierende mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit

Anlaufstellen für körperlich Behinderte

Die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerkes ist Dein Ansprechpartner, wenn Du Interesse an einem Studium hast. Sie berät und unterstützt auch die Beauftragten für Studierende mit Behinderungen der Hochschulen. Im ausführlichen Handbuch „Studium und Behinderung“ findest Du Informationen zu allen relevanten Themen.

Kontakt:
Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS)
Monbijouplatz 11
10178 Berlin
Tel.: 030/29 77 27-64
E-Mail: studium-behinderung@studentenwerke.de
Website: www.studentenwerke.de/behinderung

Weitere Anlaufstellen:

  • Behindertenbeauftragter an der Hochschule
  • Fachstudienberater
  • Interessengruppen
  • Selbsthilfeverbände

 

Assistenzmöglichkeiten für körperlich Behinderte

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Assistenz, um den Alltag für Studierende mit Behinderung zu erleichtern. Diese werden sowohl persönlich als auch durch die Leistungen der Kranken- und Pflegekasse finanziert. Sofern Du bereits einen persönlichen Assistenten hast, kann Dich dieser auch in Deinem Studium unterstützen.

Zuständig für die Verwaltung der Assistenz im Studium sind je nach Bundesland überörtliche oder örtliche Sozialhilfeträger. Zu den Maßnahmen der sogenannten Eingliederungshilfe zählen

  • Hilfsmittel (elektronische oder technische)
  • Personelle Hilfe (Studienassistent, zum Beispiel zum Erreichen der Hochschule, zum Erstellen von Hausarbeiten und Referaten, zur Teilnahme an schriftlichen und mündlichen Prüfungen)
  • Behinderungsbedingter Mehraufwand (zum Beispiel Fahrtkosten, Finanzierung von Führerschein und behindertengerechtem Fahrzeug)

Die Eingliederungshilfe wird bis zum Erlangen eines berufsqualifizierenden Studienabschlusses gewährt. In der Regel gilt die Zusage semesterweise. Dem Weitergewährungsantrag müssen beim Sozialhilfeträger Leistungsnachweise und Kontoauszüge beigelegt werden.

Informiere Dich rechtzeitig über die Assistenzmöglichkeiten, um bereits bei Studienbeginn von der persönlichen Assistenz zu profitieren.

Finanzielle Unterstützung für Studierende

Ein behindertengerechter Computer-Arbeitsplatz und eine rollstuhlgerechte Wohnung in Campusnähe – nur zwei von vielen Mehraufwendungen, die beim Studieren mit Behinderung auf Dich zukommen. Um die zusätzlichen finanziellen Belastungen eines Studiums auszugleichen, gibt es verschiedene Förder- und Kostenübernahmemöglichkeiten. Leider gibt es keine Studienfinanzierung für Behinderte im Allgemeinen. Die Zuständigkeiten sind auf verschiedene Kostenträger verteilt. Eine Erstberatung bietet die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerkes. Individuelle Auskünfte zur Finanzierung erteilt der Beauftragte für Studierende mit Behinderung der jeweiligen Hochschule in einem persönlichen Gespräch.

 

Fördermöglichkeiten und Kostenübernahmemöglichkeiten

Behinderte Studierende haben den gleichen rechtlichen Anspruch auf Berufsausbildungsförderung wie nicht behinderte. Beim BAföG können Studierende mit Behinderung allerdings einen Härtefallantrag stellen, mit Chance auf einen zusätzlichen Elternfreibetrag oder verlängerte Förderungsdauer. Konkrete Beratung erhältst Du bei Deinem zuständigen Amt für Ausbildungsförderung.

Weitere Förderungen sind über das Sozialgesetzbuch (SGB) XII geregelt und durch die Sozialhilfeträger verwaltet. Dazu gehört beispielsweise die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, wie bereits oben beschrieben. In Einzelfällen kommen auch Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) in Betracht.

Unter bestimmten Umständen können Studierende mit Behinderung Kindergeld bis über das 25. Lebensjahr hinaus beantragen. Die Bezugsverlängerung aufgrund einer Behinderung wird durch die zuständige Familienkasse geprüft.

Neben staatlichen Förderungen gibt es Begabtenförderungswerke von unterschiedlichen Institutionen wie Kirchen oder Parteien. Eine Datenbank über die verschiedenen Stipendien bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Bei der Stipendienvergabe berücksichtigen die Begabtenförderungswerke teilweise beeinträchtigungsbedingte Belange. Des Weiteren gibt es vereinzelte Stiftungen, die speziell Behinderte in Form von Stipendien fördern.

Die Finanzierung eines Studiums mit Behinderung ist immer von der jeweiligen Lebenssituation des Studenten abhängig. Der Bedarf an Unterstützung und die damit verbundene Mehrbelastung für den Studierenden sind von Person zu Person unterschiedlich. Eine individuelle Beratung ist demnach unbedingt ratsam.

 

Vorteile eines Fernstudiums bei körperlicher Behinderung

Ein Studium mit Behinderung an einer Hochschule kann ohne die richtige Unterstützung zur Bewährungsprobe werden. Statistisch gesehen wechseln 31 Prozent der Studierenden mit Behinderung den Studiengang und 22 Prozent die Hochschule.[i] Bei körperlich Beeinträchtigten hängt dies oft mit der Barrierefreiheit an der Hochschule und der allgemeinen Mobilität am Hochschulstandort zusammen.

Bist Du wegen Deiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit örtlich gebunden und möchtest nicht umziehen, kannst Du ein Fernstudium in Betracht ziehen. Dies bietet sich insbesondere an, wenn Du aufgrund einer ärztlichen Behandlung abhängig von Deinem Heimatort bist.

Neben der Ortsunabhängigkeit ist ein weiterer Vorteil des Fernstudiums, dass Du Dir Deine Lernzeit individuell einteilen kannst. Arzttermine oder individuelle krankheitsbedingte Beschwerden erschweren oft eine Teilnahme am normalen Studien- und Vorlesungsalltag. Im Fernstudium kannst Du Deine Lerngeschwindigkeit selbst bestimmen.

Für Studierende mit Behinderung, die standortunabhängig sein wollen, ist ein Fernstudium die ideale Lösung. Da ein Fernstudium ein hohes Maß an Selbstdisziplin erfordert, findest Du hier Tipps für die richtige Selbstorganisation im Studium.

Fazit

Das Studieren mit Behinderung, insbesondere mit Mobilitätseinschränkungen, stellt Betroffene vor einige Herausforderungen. Die meisten Hochschulen verfügen über einen Beauftragten für die Belange von Behinderten und bemühen sich um Barrierefreiheit innerhalb der Institutionen. Außerdem gibt es finanzielle Unterstützung für behinderte Studierende. Die konkreten Leistungen sind von verschiedenen Lebenssituationen abhängig und individuell zu prüfen. Wichtig ist, sich bereits vor Studienbeginn umfassend zu informieren und rechtzeitig Anträge zu stellen. So startest Du mit den besten Voraussetzungen in Dein Studium.